KKV-Aktuell, Ausgabe 5-2019


Foto: Kirchenfan

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Unser Titelbild zeigt die Kirche Heilige Familie in Klein Escherde, in der wir in diesem Monat die KKV-Maiandacht am Freitag, 10.05.2019 um 17.00 Uhr feiern.
Seit der Fusion 2010 gehört die katholische Kirche zur Pfarrgemeinde St. Martinus Hildesheim-Himmelsthür – Katholische Kirche im Güldenen Winkel im Dekanat Hildesheim. Neben dieser Kirche gehören noch St. Kunibert in Sorsum und St. Martinus in Emmerke zur Pfarrgemeinde.


Die erste Erwähnung der Gemeinde durch das Hochstift Hildesheim datiert auf das Jahr 1258. Im März 1973 wurde die alte Kapelle, ein Vorgängerbau (ein Fachwerkbau mit hohem Bruchsteinsockel von 1699) der jetzigen Kirche abgetragen und im Museumsdorf in Cloppenburg wieder originalgetreu aufgebaut. Im gleichen Jahr war Baubeginn der jetzigen Kirche. Sie wurde am 06. Juli 1974 durch Bischof Heinrich Maria Janssen geweiht.
Die Kirche ist ein moderner Sechs-Eck-Bau mit einem Hochaltar aus dem Jahre 1670 im Renaissance-Stil.



Foto: Regina Michalski

Regina Michalski

Vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es geht derzeit turbulent zu in unserer Kirche. Die Bischöfe innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz scheinen sich bisweilen in Fragen der katholischen Lehre uneins. Da werden munter Positionen wie das Frauenpriestertum, der Zölibat und andere Dinge vorschnell zur Disposition gestellt. Kürzlich kündigte der Kardinalerzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, sogar eine „Synode“ an. Genauer gesagt: Die deutschen Bischöfe hatten auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Lingen einen „verbindlichen synodalen Weg“ zur Aufarbeitung und Aufklärung der Missbrauchsfälle beschlossen. Themen sollen der Machtabbau bei Klerikern, der Zölibat und die Sexualmoral der Kirche sein. Gut, dass es da immer noch Hirten gibt, die derlei Verlautbarungen für die Gläubigen richtig einordnen. Einer dieser Hirten ist der guineische Kurienkardinal Robert Sarah. Kardinal Sarah erläuterte jüngst in einem Interview, dass der „Erstverantwortliche der Kirche der Papst ist, jener der Ortskirche, ist der Bischof in seiner Diözese – und nicht die Bischofskonferenz“. Diese sei nur für den Austausch da, nicht für die Umsetzung einer Richtung und habe keine rechtliche Autorität oder Kompetenz auf dem Gebiet der Lehre.
Überhaupt scheint mir bisweilen eine Rückbesinnung auf die Lehre notwendig. Dazu bedarf es Hirten, die ihrer Herde Orientierung geben. Kardinal Sarah ist für mich so ein Hirte. Auch für unseren Bischof, der uns im Bistum Hildesheim Orientierung schenkt, sollten wir ohne Unterlass beten. Eine schöne, alte Form des Gebets ist der Rosenkranz. Das Kolpingwerk hat jüngst eine neue Rosenkranzgruppe ins Leben gerufen: Jeden Montag sind alle Menschen herzlich eingeladen, im Dom den Rosenkranz mitzubeten. Beginn ist wöchentlich um 17:45 Uhr, in der Laurentiuskapelle (auch als Sakramentskapelle bekannt).
Wer wäre da bessere Fürsprecherin für uns, als Maria? Sie nimmt uns beim Rosenkranz an die Hand, um beim Betrachten Jesu Lebens- und Leidensweges, Kraft und Mut für die Herausforderungen von heute zu schöpfen.
Ich bin der festen Überzeugung: Es bedarf keiner Synoden oder immer neuer Veränderungsforderungen – die letztlich doch stets menschgemacht bleiben. Wir brauchen Gebete, damit unsere Kirche weiterhin auf festen Füßen steht.

Herzliche Grüße und Kreuzschiff voraus
Vb Mirco Weiß
Diözesansekretär Kolpingwerk Diözesanverband Hildesheim

KKV: 70 Jahre Grundgesetz erfüllt uns mit Stolz

 „Unter erfahrungsgeprägter Vermeidung von Defiziten der Weimarer Republik entstand mit dem Grundgesetz ein ausbalanciertes Regelwerk des Zusammenwirkens der staatlichen Organe, das Deutschland bis heute ein geordnetes stabiles Gemeinwesen beschert hat und von anderen Ländern vielfach als nachahmenswertes Vorbild angesehen wird“, so Josef Ridders Bundesvorsitzender des Katholischen Sozialverbandes KKV. Es handelt sich trotz der bewusst bescheidenen Bezeichnung materiell um unsere Verfassung, die 1949 im Konsens unterschiedlicher Lager in entschiedener Abkehr vom Nationalsozialismus entstand.
Neben den traditionellen Abwehrrechten der Individuen gegen den Staat enthält es auch Institutsgarantien wie Ehe und Familie oder Entfaltungsmöglichkeiten für Kirchen und gesellschaftliche Organisationen. Weiter formuliert es anspruchsvolle Gestaltungsaufträge wie Sozialstaat und Rechtsstaat, für die es die notwendige Flexibilität vorsieht bei gleichzeitiger Garantie eines unantastbaren Kerns. Natürlich konnten die Väter und Mütter des Grundgesetzes nicht alle gesellschaftlichen Veränderungen (Asylfrage, Notstandsgesetze, Europäische Union und ähnliches) vorhersehen.
Durch die Vorhaltung eines flexiblen Rahmens ermöglichten sie aber die sich daraus ergebenden Anpassungsnotwendigkeiten, wenngleich durch zwischenzeitlich über 60 Änderungen manchmal eine Kleinteiligkeit entstand, die die beeindruckende Klarheit der Ursprungsfassung des Grundgesetzes etwas beeinträchtigt.
Das Grundgesetz hat nicht nur den unkomplizierten Beitritt der neuen Länder ermöglicht, sondern auch durch seine Grundentscheidungen für die repräsentative Demokratie und einen kraftvollen Föderalismus mit dem Anspruch der Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse zu seiner fast einhelligen Akzeptanz in der Bevölkerung beigetragen.
Möge uns dieser generelle Konsens auch bei den zukünftigen Herausforderungen erhalten bleiben und das Grundgesetz weiter unsere verlässliche bewährte Richtschnur bleiben.

Josef Ridders, Vorsitzender des KKV Bundesverbands

Die katholische Soziallehre – was ist das eigentlich?

„Wir orientieren uns an der katholischen Soziallehre“ heißt es beim KKV, bei anderen katholischen Verbänden, bei kirchlichen Institutionen und manchmal sogar innerhalb von Parteien, etwa bei der CDA, der Arbeitnehmerorganisation der CDU. Aber was ist damit eigentlich gemeint?
Die „katholische Soziallehre“ ist eine geordnete Sammlung der Aussagen der katholischen Kirche zu Fragen der Gesellschaftsordnung und der Wirtschaftsordnung. Grundlage sind diverse Enzykliken und päpstliche Lehrschreiben, aber auch bestimmte Konzilsdokumente. Sie ist „Lehre der Kirche“ und Teil der Moraltheologie.
Da stellt sich zunächst die Frage, weshalb die Kirche, genauer das „kirchliche Lehramt“, sich zu diesen Fragen überhaupt äußert. Besteht nicht der wichtigste Auftrag der Kirche darin, das Evangelium zu verkünden, d.h. den Glauben weiterzugeben?
Diese scheinbar einfache Frage geht an den Kern unseres Glaubensverständnisses: „Glauben“ betrifft nicht nur das Verhältnis des Menschen zu Gott, sondern prägt genauso auf das Verhältnis des Menschen zu seinen Mitmenschen. Für uns Christen sind beide Aspekte untrennbar miteinander verbunden, denn wir sehen jeden Menschen als einzigartiges Geschöpf Gottes und Ebenbild Gottes.
Die Kirche bemüht sich seit über hundert Jahren, den Menschen dazu eine Orientierung zu geben. Nicht nur für den individuellen Umgang mit „dem Nächsten“, sondern auch für die größere menschliche Gemeinschaft, d.h. für die Gestaltung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung. Die Herausforderung dabei ist, dass sich die Rahmenbedingungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie laufend ändern – manche meinen sogar, diese Veränderungen werden immer schneller. Man denke beispielsweise an die Lebenserwartung, die Arbeitsbedingungen, die Entwicklung der Demokratie, die Kommunikationsmöglichkeiten, die Umweltprobleme oder internationale Zusammenarbeit und Globalisierung. Auf der Grundlage unseres Glaubens – man könnte auch sagen „des christlichen Menschenbildes“ – muss immer wieder neu darüber nachgedacht werden, was dieses in der Welt von heute konkret bedeutet. Eine mühsame, anspruchsvolle aber spannende und lohnende Aufgabe! So ist die katholische Soziallehre also nie „fertig“, sondern bestenfalls „aktuell“, was etwa die letzten Enzykliken von Papst Franziskus zeigen.
Man kann die katholische Soziallehre als eine ganz konkrete Form der „Verkündigung des Glaubens“ verstehen. Sie wendet sich nicht nur an Bischöfe, Priester und vielleicht politisch Verantwortliche, sie sollte jeden Christen ansprechen und einbeziehen! Denn gerade die Laien – nicht die Kleriker – stehen mitten in den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen. Sie sind Eltern, Arbeitnehmer, Unternehmer, Profis in Ihrem Beruf, Gewerkschafter, Konsumenten, Sparer, usw. Sie haben viel Erfahrung und Sachkenntnis, übernehmen Verantwortung und Sie sind politisch mündige und aktive Bürger.
Ich möchte deshalb in den nächsten Ausgaben von KKVAktuell einige Aspekte, Denkweisen und Aussagen dieser katholischen Soziallehre vorstellen und zur Diskussion einladen.

Thomas Michalski, Vorsitzender