KKV-Aktuell, Ausgabe 5-2020

Foto: Kirchengenmeinde Bonifatius, Connewitz

Die St. Bonifatius-Kirche


Die St. Bonifatius-Kirche befindet sich in Leipzig-Connewitz. Sie ist architektonisch beachtenswert, zählt zu den wichtigsten mitteldeutschen Kirchbauten zwischen den beiden Weltkriegen. Die Kirche ist im Stil des Art déco gebaut und wurde vom KKV gestiftet als Gedächtniskirche für die im ersten Weltkrieg 1500 gefallenen katholischen Kaufleute. Sie wurde 1929 erbaut, am 19.01.1930, also vor 90 Jahren, von Bischof Christian Schreiber geweiht und dem Patronat des Hl. Bonifatius unterstellt. Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Als Besonderheit sei erwähnt, dass der Eingang der Kirche nach Ostnordost weist, sie also nicht geostet ist.
Heute ist sie Pfarrkirche der katholischen Gemeinde im Leipziger Süden und zugleich die Kaufmannsgedächtniskirche des KKV. Die KKV OG Leipzig (neu gegründet 1991) feiert hier ihre Gottesdienste und Andachten. Die Kirche beeindruckt durch ihre äußere und innere Gestaltung. Als Gesamtwerk fordert sie zum Fragen und Schauen heraus. Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde ihr Äußeres renoviert. In den Jahren 2004/2005 ist auch der Innenraum renoviert und umgestaltet worden.
Patron der Kirche ist Bonifatius Winfried, „Apostel der Deutschen“, die Gemeinde feiert ihn am 5. Juni.
Diese Kirche ist sicher, sollte man einmal nach Leipzig kommen, einen Besuch wert!

Namenstage Heiliger Bonifatius:
19. Februar, Bonifatius von Lausanne
14. Mai, Bonifatius von Tarsus („Eisheiliger“)
05. Juni, Bonifatius Winfried („Apostel der Deutschen“)
25. Oktober, Papst Bonifatius I.

Regina Michalski
Foto:
Thomas Michalski

Vorwort

Liebe KKVerinnen und KKVer!
In diesem Tagen halten Sie die neueste Ausgabe unserer Mitgliederinformation „KKVAktuell“ in ihren Händen und beweisen damit Ihr Interesse an der Arbeit in unserem Ortverband.
Auch in dieser Ausgabe finden Sie viele interessante Informationen sowie Hinweise zu geplanten Veranstaltungen des KKV und auch darüber hinaus.
Sie erhalten damit einen Einblick über die vielfältigen Angebote für Mitglieder und Menschen, die sich für wirtschaftliche, gesellschaftliche und religiöse Fragen interessieren.
Mit der Arbeit unseres Verbandes wollen wir möglichst viele Menschen anregen, ihr Leben in Familie, Beruf und Gesellschaft bewusst, aktiv und verantwortlich als Christen mitzugestalten.
Angesichts der zunehmenden Polarisierung in unserer Gesellschaft leisten wir durch unser Wirken als KKV einen wichtigen Beitrag zum dringend notwendigen gesellschaftlichen Zusammenhalt, zur Stärkung der politischen Mitte in unserem Land, zur Bewahrung der Schöpfung und dem Erhalt unserer demokratischen Gesellschaft.
Besonders wichtig in der Arbeit finde ich immer wieder unser besonderes Engagement für sozial benachteiligte Menschen und unsere Forderungen nach einer gerechten Verteilung des gesellschaftlichen Wohlstands.
In Zeiten des Wandels gilt es jetzt aber auch und gerade den Blick auf unsere eigene Organisationsstruktur, Arbeitsweise und die Folgen aus der sich abzeichnenden Mitgliederentwicklung zu richten und notwendige Veränderungen rechtzeitig einzuleiten.
Vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen aus unserer Geschichte und der erfolgreichen Arbeit in den vergangenen Jahren, können wir trotz der vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen dabei mit Optimismus, Zuversicht und Mut nach vorne blicken.
Ich bin davon überzeugt, dass uns auch unser gemeinsamer christlicher Glaube weiterhin eine wertvolle Stütze und wichtige Orientierung in unserem Handeln bleiben wird, aus dem heraus wir Hoffnung und Vertrauen schöpfen dürfen.
In diesem Sinne möchte ich sie auch ausdrücklich ermuntern, sich weiterhin aktiv in die Arbeit unseres Verbands einzubringen und so an der Verwirklichung unserer gemeinsamen Ziele mitzuwirken.
Denn richtig bleibt in jedem Fall:
Gemeinsam können wir mehr bewegen!

Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund!
Ihr Verbandsbruder
Markus Brinkmann

Die Corona-Krise – eine persönliche Sicht der Dinge

Ich schreibe diese Zeilen Ende März. Das ist wichtig, denn wenn Sie dieses KKVaktuell in den Händen halten, kann alles schon wieder ganz anders sein. Wir erleben gerade neue Halbwertzeiten bei allen Informationen und die Ereignisse überschlagen sich beinahe.
Den meisten wird bekannt sein, dass ich – inzwischen seit 30 Jahren – beim Diözesan-Caritasverband arbeite. Auch hier haben wir uns auf die Vermeidung von persönlichen Kontakten eingestellt. Das Haus ist für Gäste geschlossen, viele Mitarbeiter arbeiten in Homeoffice oder gehen in Kurzarbeit. Unsere Einrichtungen sind unterschiedlich betroffen: von Schließungen (z.B. in den Mutter-Kind-Kurhäusern) geht es bis zu erhöhtem Arbeitsaufkommen (z.B. im Bereich der Pflege) aufgrund der notwendigen stärkeren Hygienemaßnahmen. Die wenigen hausinternen Besprechungen, die noch stattfinden, finden in größeren Räumen statt, damit man den notwendigen Abstand einhalten kann. Besprechungen mit externen Personen finden überwiegend in Video- oder Telefonkonferenzen statt. Man versucht, über geteilte Anwesenheiten im Haus, die notwendigen Dienste, wie z.B. die Buchhaltung oder die Gehaltsabrechnung, aufrecht zu erhalten, auch für den Fall, dass ein Mitarbeiter an Corona erkrankt und unser Dienstgebäude unter Quarantäne gestellt wird. Die Mitarbeiter führen seit Mitte März alle ein Dienstgeberschreiben bei sich, dass für den Fall einer Ausgangssperre dafür sorgen soll, dass man noch zur Arbeit fahren darf.
Weitere Einschränkungen erlebe ich im privaten Bereich. Auch wenn bei mir als Single im eigenen Haushalt keine Ansteckungsgefahr vorhanden ist, so vermisse ich doch die gemeinsamen Pausen mit den Arbeitskollegen. Meine Geburtstagsnachfeier vor drei Wochen haben wir abgesagt, da uns das Risiko für die älteren Verwandten zu groß erschien. Vor vier Wochen habe ich noch mit meinem Bruder in der Elbphilharmonie in Hamburg ein wunderbares Konzert erlebt – jetzt ist die Elphi geschlossen und die Bahn fährt mit einem Sonderfahrplan. Im April wollte ich beim KKV am Nachmittag dabei sein, weil mich das Thema interessiert – auch unsere Veranstaltungen mussten wir absagen. Ob ich meinen geplanten Urlaub Anfang Juni in Wilhelmshaven antreten kann ist ungewiss.
Als positiv denkendem Menschen ist mir aber bei allen schwierigen Veränderungen aufgefallen: es geschieht auch viel Schönes. Der immer öfter zu hörende Gruß am Ende eines Gesprächs – egal ob im Dienst oder privat – „Bleib gesund und pass auf Dich auf“ ist keine Floskel, man spürt, dass die Anteilnahme am Wohlergehen des anderen zugenommen hat. Im Supermarkt habe ich soviel Rücksichtnahme wie schon lange nicht mehr erlebt. Junge Nachbarn fragen bei den älteren nach, ob sie ihnen beim Einkaufen helfen können. Selbst von den Politikern hört man erfreulicherweise klare Worte und es werden zügig Entscheidungen zum Abmildern der Folgen des Virus getroffen. Auch das abendliche Glockenläuten in Hildesheim ist tröstlich und ein guter Zeitpunkt, um einmal inne zu halten, nach den vielen Informationen in den Abendnachrichten wieder zu sich zu kommen und vielleicht ein Gebet zu sprechen.
Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie diese Krise gesund überstehen und dass wir uns danach bei der einen oder anderen Veranstaltung des KKV wiedersehen.

Barbara Kreutzer

Katholischen Soziallehre:
Die Grundprinzipien Personalität, Solidarität, Subsidiarität – aktueller denn je!

Mit der „katholischen Soziallehre“ positioniert sich die Katholische Kirche („das Lehramt“) zu wesentlichen Fragen der Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung. Eine prägnante Zusammenfassung der Kerngedanken geben die Prinzipien: Personalität, Solidarität, Subsidiarität. Keine Patentrezepte, aber kluge Kriterien, deren ausgewogene Berücksichtigung in allen Bereichen des sozialen Lebens gute und faire Lösungen ermöglichen.
Die ersten beiden Prinzipien ergeben sich unmittelbar aus dem christlichen Menschenbild:

Personalität: Jeder Mensch ist eine „individuelle Persönlichkeit“, nach Gottes Ebenbild geschaffen, mit unveräußerlicher Würde, mit persönlicher Freiheit aber auch mit persönlicher Verantwortung.
Solidarität: Jeder Mensch ist ein „Gemeinschaftswesen“, er ist von Kindheit an auf die Unterstützung anderer angewiesen – und deshalb immer auch mitverantwortlich für seine Mitmenschen.

Stehen Personalität und Solidarität im Widerspruch zueinander? In der Tat gibt es Menschen, die zur Entfaltung ihrer persönlichen Freiheit die Mitmenschen aus dem Blick verlieren. Andererseits gab und gibt es gibt es auch Versuche, im Namen der Solidarität die Freiheit und sogar die Menschenwürde einzuschränken. Aber wir brauchen immer beides! Unsere Herausforderung als Christen (und Staatsbürger) ist es deshalb, die richtige Balance zwischen Personalität und Solidarität zu finden. Keine leichte, aber eine lohnende Aufgabe. Die Soziallehre gibt uns dazu ein pragmatisches drittes Prinzip, das oft vergessen wird:

Subsidiarität: Für jede Aufgabe ist zunächst die jeweils kleinere Einheit zuständig und verantwortlich, erst wenn das deren Möglichkeiten übersteigt, ist die größere Einheit in der Pflicht. Also fordern und unterstützen, statt zu bevormunden. Hilfe zur Selbsthilfe!
Offensichtlich gibt es im sozialen Leben vielfach solche abgestuften Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten: Einzelmensch, Familie, Staat. Und „der Staat“ ist Kommune, Land, Bund, EU, UNO. In der Wirtschaft Unternehmen und Unternehmensverbände, Arbeitnehmer, Gewerkschaften, Gewerkschaftsverbände, usw. In der Diskussion ist dabei ein differenziertes Denken gefordert.
Gönnen Sie sich mal die „Denksportaufgabe“, in aktuellen politischen und wirtschaftlichen Fragen zu überlegen, ob und wie die Prinzipien Personalität, Solidarität und Subsidiarität bei der Lösung berücksichtigt werden. Sie werden zu verblüffenden Ergebnissen kommen: Sicher finden Sie einige gute Beispiele, aber auch eine Reihe von „Schieflagen“.
In jedem Fall werden Sie sehen, dass die Prinzipien der Soziallehre heute aktueller sind denn je. Auch die aktuellen neuen Schlagworte „Gemeinwohl“ und „Nachhaltigkeit“ betonen eigentlich nur spezielle Teilaspekte davon (So ist „Nachhaltigkeit“ eigentlich nur „Solidarität mit unseren Enkeln“). Das kann hilfreich sein, aber die Überbetonung eines Teilaspekts erschwert oft sachgerechte Lösungen.
Als Katholiken und besonders als KKVer können wir stolz sein auf die Prinzipien der katholischen Soziallehre – und diese Denkweise selbstbewusst in die gesellschaftliche Diskussion einbringen.

Thomas Michalski
Vorsitzender KKV Ortsgemeinschaft Hildesheim

Wer es genauer wissen will, dem empfehle ich den „Docat“
oder das „Kompendium der katholischen Soziallehre“
– und ganz besonders das Gespräch mit anderen, sachkundigen KKVern.