KKV-Aktuell, Ausgabe 11-2020


Foto: Johamar, Wikipedia.  Alle Fotos aus dem Dommuseum sind urheberrechtlich geschützt.

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Erkennen Sie das abgebildete Kruzifix auf unserer Titelseite?
Es handelt sich um die Kopie des Ringelheimer Kreuzes, die Hans Kazzer (München) 1993/94 schuf und die die ursprüngliche Gestalt des Kreuzes einfühlsam rekonstruiert. Sie hängt als Triumphkreuz über dem Zelebrationsaltar der Kirche St. Abdon und Sennen in Salzgitter-Ringelheim.
Das Original des Christuskorpus wird im Rittersaal des Dommuseums ausgestellt. Das Ringelheimer Kruzifix ist eines der ältesten vollplastischen Bildwerke des Mittelalters. Es ist entstanden in der Blütezeit des Bistums unter Bischof Bernward (993 – 1022) und ist eine Dauerleihgabe aus dem Kirchenschatz von St. Abdon und Sennen.
Der Christuskorpus aus Linden- und Eichenholz – das Kreuz selbst ist nicht mehr vorhanden – ist 2,62 m hoch, 1,61 m breit und von ungewöhnlicher Lebendigkeit und Ausdruckskraft.
Bei der Restaurierung 1949–1951 wurde im Haupt des Kreuzes ein Lederbeutel mit einem Pergament gefunden. Dieses trug die Inschrift „De sepulchro domini“ (d. h. „vom Grabe des Herrn“). Die Rückseite trug die Signatur von Bernward („B.+ep.“ – Bernwardus episcopus), im Beutel lagen auch noch zwei kleine Steine, die dem Zettel nach Reliquien aus dem Heiligen Land waren.
Wer sich das Original des Christuskorpus an dem raumgreifenden Holzkreuz ansehen möchte, gehe ins Dommuseum.

Regina Michalski

Vorwort

Liebe Schwestern und Brüder im KKV!
Geht es Ihnen auch so: Den November könnte man glatt aus dem Kalender streichen. Es ist wohl der trübste Monat im Jahreslauf: nasskalt, grau in grau und früh dunkel. Die Bäume und Sträucher, sind kahl, Stürme fegen übers Land, Nebel legt sich wie ein Leichentuch darüber. Regen, Nässe und Kälte kriechen in die Knochen, der Niedergang der Natur und der modrige Geruch faulender Blätter verstärken die Melancholie dieser Tage.
Da passt es, dass der November bei uns als Trauermonat gilt. Es sind Tage der stillen Trauer und des Gedenkens an die Verstorbenen der Familie, des Freundes- und Bekanntenkreises und der ungezählten Opfer sinnloser Kriege: Allerheiligen, Friedhofsgang und Gräbersegnung, Allerseelen und Buß- und Bettag, Volkstrauertag und Totensonntag.
Angesichts des vielfachen Totengedenkens stellt sich manchem die Frage, wie es um das eigene Leben und seinem unerbittlich nahenden Ende steht. Ob und wie es nach dem eigenen Tod noch ein „Weiter“ gibt? Gibt es so etwas wie „Auferstehung“ und ein „Leben nach dem Tod“? Wem kann ich vertrauen, auf wen kann ich hoffen?
Antworten des Glaubens auf diese existentiellen Fragen gibt der Apostel Paulus. Das Wesen der Auferstehung ist der Kern seiner Botschaft. Einige Christen in der Gemeinde in Korinth bestritten die Auferstehung der Toten. Das widerlegt Paulus mit dem sog. urchristlichen Credo im Ersten Brief an die Korinther, Kap. 15 Verse 3b-5, und führt anschließend weitere glaubwürdige Zeugen an:
„Christus ist für unsere Sünden gestorben, / gemäß der Schrift, und ist begraben worden. / Er ist am dritten Tag auferweckt worden, / gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“
Und weiter: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube.“
Wie Paulus selbst zu seinem „Wissen“ über die Auferstehung gekommen ist, was das für sein Leben bedeutet und wie unsere Auferstehung sein wird, erklärt er im Fortgang des Briefes. Schon früher hatte Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Thessalonich zu dem Thema Stellung bezogen. Die erwartete nämlich, wie Paulus selbst, die Wiederkunft Christi zur Vollendung der Welt in allernächster Zeit. Als diese jedoch ausblieb und erste Gemeindemitglieder verstarben, kamen bei den Gläubigen Fragen und Zweifel auf (vgl. 1 Thess 4,13-18).
Die Zweifel sind bis heute nicht weniger geworden, wie die jüngste Umfrage der Ev. Kirche von 2019 verdeutlicht. Demnach lehnen 42 % der Deutschen einen Auferstehungsglauben ab. 28 % antworteten mit „weiß nicht“, 11 % machen keine Angabe. In der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren halten nur 12 % den Auferstehungsglauben für wahr – keine hoffnungsvolle Perspektive für die missionarische Verkündigung des Wesenskerns christlichen Glaubens, den alle 27 Schriften des Neuen Testaments bezeugen: „Gott hat Jesus aus den Toten erweckt.“
Im kommenden Jahr 2021 werden wir den wegen Corona verschobenen Biblischen Besinnungstag der Auferstehung der Toten in der Verkündigung des Apostels Paulus widmen. Denn unsere Auferstehung und das ewige Leben ist unsere Hoffnung als Christinnen und Christen. Diese Hoffnung ist unser Trost in aller Trauer und Verzweiflung und lässt uns den trüben Tagen im Trauermonat November vielleicht doch einen Lichtblick abgewinnen.

Herzlich
Ihr Diakon Dr. Rolf Busemann, Geistlicher Beirat des KKV-Diözesanverbandes

Rückblick:
Vortrag des Umweltbeauftragten des Bistums Hildesheim

Ursprünglich schon im ersten Halbjahr 2020 geplant und wegen Corona verschoben, hat es am 7. September endlich geklappt: Wir waren zu Gast im Generalvikariat bei Herrn Dr. Preuß, dem Umweltbeauftragten des Bistums Hildesheim. Unter dem Titel „Unsere Sorge für das gemeinsame Haus – die Kirche und der Umweltschutz. Ein Statusbericht“ gab er in einem gut strukturierten Vortrag einen Überblick zur aktuellen Situation und den gewaltigen Herausforderungen.
Zunächst stellte er an einigen unübersehbaren Beispielen dar, dass die globale Erwärmung und die Umweltzerstörung ungebremst fortschreiten und eine kritische Phase erreicht haben. Jeder aufmerksame Zuhörer musste sich fragen, ob diese eigentlich bekannte Botschaft ihn „wirklich erreicht“ und damit Auswirkungen auf seinen Lebensstil hat?

Die katholische Kirche hat sich zur „Erhaltung der Schöpfung“ eindeutig positioniert. Kerndokument ist bekanntermaßen die Enzyklika Laudato si‘, die im Jahre 2015 pünktlich zum Pariser Klimagipfel erschienen ist. Papst Franziskus beklagt darin nicht nur die Umweltzerstörung, sondern stellt klar, dass die ökologische und die soziale Krise in der Welt ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken. Die persönliche Verantwortung nicht nur für den Nächsten sondern genauso für „die Schöpfung“ ist elementarer Bestandteil des christlichen Lebens. Der Papst spricht deutlich von einer „ökologischen Schuld“ (. . auch wenn diese bisher vielleicht noch nicht im Beichtspiegel steht)!
Ausgehend von der Enzyklika gibt es auf allen Ebenen in den Kirchen diverse Stellungnahmen, Empfehlungen, Analysen und Konzeptpapiere. Sie reichen von CO2-Einsparung bis zur Erhaltung der Artenvielfalt und von ethischer Geldanlage bis zu „nachhaltigen Predigten“. Es bleibt die kritische Frage, was kommt davon an, was wird dadurch an konkreten Veränderungen bewirkt? – Eine Frage die sich genauso auch außerhalb der Kirchen für die Gesellschaft insgesamt stellt.
Sicher gibt es eine Reihe sinnvoller Einzelmaßnahmen: Die kirchlichen Einrichtungen am Domhof werden CO2-arm betrieben. (Was allerdings dem glücklichen Umstand zu verdanken ist, dass die EVI im Rahmen der Domsanierung eine Fernwärmeversorgung auf Basis ihres Holzhackschnitzelkraftwerks anbieten konnte, das in Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme sehr CO2-arm erzeugt. Und natürlich nutzt das Bistum Ökostrom) Für die Gemeinden gibt es seit 5 Jahren das Umweltmanagementprogramm Der Grüne Hahn, das ein systematisches Vorgehen zur Energieeinsparung und ökologischen Ausrichtung vor Ort etabliert. Ein Klimafonds soll dabei auch finanziell unterstützen. Die Teilnahme ist allerdings bisher überschaubar – die Gemeinden haben offensichtlich derzeit andere Sorgen.
Kolping hat eine Genossenschaft zum Bau und Betrieb von Solaranlagen auf Dächern kirchlicher Einrichtungen gegründet, die erste Erfolge verzeichnen kann. Das Bistum beginnt vorsichtig, seinen Grundbesitz für ökologische Landwirtschaft zu verpachten, auch wenn die Erträge dann niedriger sind. Die Mobilität der Hauptamtlichen im Bistum wurde analysiert im Hinblick auf die Möglichkeiten zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Angeboten wie „Klimapilgern“, „Klimafasten“ usw., die mehr auf die individuelle und gemeinsame Bewusstseinsbildung ausgerichtet sind. Und natürlich gibt es im Rahmen der deutschen Bischofskonferenz intensive Zusammenarbeit, die sich z.B. in dem gemeinsamen Dokument „Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag“ wiederspiegelt.
Trotz allem wird klar: Maßnahmen mit nachweislicher, deutlicher Wirksamkeit bleiben bisher weitgehend aus. (Das ist in der Kirche nicht anders als in der Gesamtgesellschaft.) Jedem aufmerksamen Zuhörer oder Beobachter ist die Ursache klar: Für wirkliche Veränderungen genügen nicht allein guter Wille und christliches Verantwortungsbewusstsein, die natürlich unverzichtbar sind. Dazu ist in der Regel hohe Kompetenz und Sachverstand, viel Geduld und oft auch viel Geld erforderlich. Weiterhin sind damit in der Regel harte und klare Entscheidungen verbunden, für die man den Mut haben und die Verantwortung übernehmen muss. Auch das ist in der Kirche nicht anders als in der Gesellschaft.
Schon mit dem der bescheidenen Titel der Veranstaltung „Ein Statusbericht“ zeigte Herr Dr. Preuß, dass es hier leider nicht um Erfolgsmeldungen gehen konnte, sondern nur um einen weiteren kleinen Schritt zu persönlicher Betroffenheit und Verantwortungsbewusstsein als Christ in dieser wichtigen Frage. Wie dies im Privatleben, in unserer Rolle als Kirchenmitglied und in unserer Rolle als Staatsbürger konkret umgesetzt werden kann, ist eine persönliche Herausforderung. Eine Alternative zur „Erhaltung der Schöpfung“ gibt es jedenfalls nicht – wenn man von dem absieht, was schon die Bibel als „Apokalypse“ drastisch beschreibt.
Der KKV bedankte sich bei Herrn Dr. Preuß für die klaren Worte und wünschte ihm weiter viel Elan und viel Erfolg für seine herausfordernde Aufgabe. Sicher werden wir auch im KKV auf diese Thematik zurückkommen.

Thomas Michalski
(Text und Fotos)