KKV-Aktuell, Ausgabe 11-2022


Foto: Thomas Michalski

Zum Titelbild

Warum haben wir für November den Hl. Godehard als Titelbild ausgesucht?
In diesem Monat ist das halbe Godehardjahr des Bistums um.
Auf dem Domhof bzw. im Dom findet man den Hl. Godehard dreimal:
Das Relief des Titelbilds ist recht unscheinbar am Haus Domhof 16 angebracht. Es wurde einfach vor die Hauswand gehängt.
Die zweite Darstellung befindet sich im Dom:  auf Wunsch des Bischofs wurde am südlichen Vierungspfeiler des Doms eine Godehard-Ikone aufgehängt. Sie ist aus dem Kapitelsaal von St. Godehard ausgeliehen und soll während des Godehardjahrs im Dom verbleiben.

Und die dritte Skulptur findet man am Godehard-Schrein in der Krypta des Doms.

Schauen Sie nach!

Regina Michalski
Fotos: Thomas Michalski

Vorwort

Fürbitte halten

Liebe Verbandsschwestern und Verbandsbrüder!

Gerade noch rechtzeitig, denkt sich Stefan, als er verschwitzt die Tür zur Kirche öffnet. Beim Hineingehen hört er schon den Gesang der Mönche zur Vesper. Irgendwie zufrieden und auch staunend setzt er sich in eine der hinteren Bänke, stellt seine Fahrradtasche neben sich und sofort fällt die ganze Anspannung von ihm ab. Genau an diesem Ort wollte er heute ankommen, in der Klosterkirche der Mönche auf dem Berg. Erst lauscht er dem Gesang der Mönche, ihren Lesungen und Gebeten. Dann steht er auf und macht sich leise auf den Weg in die kleine Seitenkapelle. Sie ist das eigentliche Ziel seiner Fahrradtour, denn dort erwartet ihn das große Buch, aufgeschlagen auf dem Ständer. Bevor er den Stift in die Hand nimmt, überlegt er noch eine Weile. Dann gibt er sich einen Ruck. Es wird ein langer Text, in den viel Herzblut fließt. Stefan unterschreibt am Ende mit seinem Namen und malt ein schattiertes Herz darunter. Danach geht er zum Kerzenständer und zündet eine kleine Kerze an, nicht nur eine, sondern gleich mehrere, sicher ist sicher. Als er die Kirchentür wieder hinter sich schließt, geht gerade die Sonne unter. Sichtlich entspannt und gut gelaunt tritt er mit seinem Fahrrad die Heimfahrt an. Vielleicht passiert jetzt bald das Wunder, denkt er sich, und der liebe Gott schickt endlich die Frau fürs Leben vorbei.
(gefunden auf katholisch.de – leicht gekürzt).

In vielen Kirchen, Krankenhauskapellen oder Autobahnkirchen gibt es diese Bücher für persönliche Anliegen, Fürbitten und Nöte. Selbst online kann man seine Fürbitten niederlegen und Kerzen anzünden (z.B. auch bei der Celle St. Benedikt in Hannover: https://cella-sankt-benedikt.de/kerze-entzunden). Der wohl berühmteste Ort ist die Klagemauer in Jerusalem, wo Bitten und Sorgen auf kleinen Zetteln in Mauerritzen gesteckt werden.

Und es gibt diese Orte aus gutem Grund: liest man einmal in den Fürbitt-Büchern, erfährt man von den unterschiedlichsten Sorgen und Ängsten, die Menschen vor Gott tragen. In diese Bücher zu schreiben ist mehr, als nur einen Wunsch beim Auspusten einer Geburtstagskerze oder beim Anblick einer Sternschnuppe zu äußern. Wenn man selbst nicht mehr weiterweiß, sind die Gebetsnischen in den Kirchen oder die Anliegenbücher im Internet dafür genau der richtige Ort. Hier kann man sich nicht nur seinen Ärger, seine Angst oder seine Bitte von der Seele schreiben – das allein tut ja schon gut. Aber da ist mehr: hinter jedem Buch in den Kirchen und Kapellen oder digitalem Angebot steht ein Gebetskreis, eine Ordensschwester oder ein Pater, die die Anliegen, die hinterlassen werden, ernst nehmen und im Gebet vor Gott tragen. Sie halten für mich und meine Sorgen Fürbitte. Vielleicht mutet es dem einen oder anderen etwas altmodisch an. Ich habe es immer als sehr heilsam erfahren, wenn ich eine Kerze angezündet habe. Sollten Sie einmal Sorgen haben, probieren Sie es doch auch einmal aus. Vielleicht spüren auch Sie hinterher eine gewisse Leichtigkeit, wie Stefan aus der Geschichte am Anfang.

Barbara Kreutzer