KKV-Aktuell, Ausgabe 11-2019


Foto: Lutz Engelhardt

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Das Titelbild zeigt den KKV-Treff von außen. Der Raum des KKV im Gemeindehaus von Hl. Kreuz, Kreuzstr. 4, wurde am 22.06.2002 von der KKV OG Hildesheim bezogen, nachdem er vom damaligen Geistlichen Beirat des Diözesanverbands, Pastor Fidelius Oppermann, geweiht worden war. Wir sind Gäste der Gemeinde Hl. Kreuz bzw. der Pfarrei St. Godehard.
Heute wird der Raum für Treffen am Samstagmorgen von 10.00 bis 11.30 Uhr genutzt, für Sitzungen in kleinerer Runde auch des Diözesanverbands, zur Aufbewahrung von Dingen, die dem Verband gehören, z.B. die Fahnen und die Roll Ups, als Postadresse und was sonst noch so anfällt.
Die Blumenpracht vor den Raum verdanken wir der Gemeindesekretärin von Hl. Kreuz, die dafür gesorgt hat, dass der Schandfleck mit Unkraut und Müll verschwand. Alle Mitglieder, die samstags zum KKV-Treff kommen, freuen sich immer wieder über die schönen Pflanzen.
Vielleicht kommen Sie auch einmal vorbei?

Regina Michalski

Vorwort und Einführungstext zum Bibeltag
am 23.11.2019

Liebe Schwestern und Brüder im KKV,

im kommenden Kirchenjahr 2019/20 wird wieder das Evangelium nach Matthäus gelesen. Wenn wir auch die Person des Verfassers und seine Lebensdaten nicht kennen, so lassen sich doch aus seiner Schrift interessante Rückschlüsse auf ihn, seine Herkunft, sein Denken, seine Glaubenswelt sowie seine Christengemeinde und deren Anliegen entnehmen.
Uns ist das Matthäusevangelium deshalb so kostbar, weil der Evangelist neben dem Evangelium nach Markus aus dem Jahr 70 nach Christus eine weitere, noch viel ältere Quelle aus der Zeit der allerersten Christen des ersten Jahrhunderts in seine Schrift einarbeitet, die sog. Spruchquelle Q. Diese Quelle enthält viele Worte des historischen Jesus mit normativem Charakter für die praktische christliche Lebensgestaltung.
Darüber hinaus wird bei der Lektüre des Evangeliums deutlich, dass Matthäus, wie Jesus selbst, als Jude im Judentum beheimatet ist, ja wahrscheinlich sogar jüdischer Schriftgelehrter war und dann Jünger Jesu wird. Darauf deutet u.a. der Satz: „Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrter, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt“ in Mt 13,52 hin. Der „Schatz“ ist die Bibel aus der „Neues“ wie „Altes“ hervorgeholt wird. Matthäus ist daher näher am historischen Jesus als die anderen drei Evangelien nach Markus, Lukas und Johannes.
Unser Bibeltag am Samstag, den 23. November von 09:30 – 16:30 Uhr im Mutterhaus der Vinzentinerinnen mit dem Geistlichen Beirat des KKV-Diözesanverbandes, Diakon Dr. Rolf Busemann, will dazu beitragen, der Verkündigung des Evangelisten Matthäus und damit der Botschaft Jesu und ihrer Bedeutung für unser Leben als Christen auf die Spur zu kommen: Altes, das es zu bewahren gilt, und Neues, das uns den Weg in die Zukunft weist.
Sie sind dazu herzlich eingeladen!

Ihr Diakon Dr. Rolf Busemann

Kann uns ein Wirtschaftswissenschaftler etwas zu Glaubensfragen sagen?

Eindrücke vom KKV-Samstagsforum

Auch 2019 fand das KKV-Samstagsforum im Hildesheimer Rathaus statt, denn wichtige Themen wollen wir „in der Mitte der Stadt“ diskutieren. Es war eine Ehre für den KKV, dass uns OB Dr. Ingo Meyer dort persönlich begrüßte und auch noch einige Zeit an der Veranstaltung teilnahm.
Zu unserem Thema „Himmel 4.0 – Wie die Digitalisierung zur Chance für das Evangelium wird“ erlebten wir einen engagierten und spannenden Vortrag des Wirtschaftsjournalisten und Autors Erik Händeler, der auch KKV-Verbandsbruder ist.
In eindrucksvoller Sprache und mit vielen anschaulichen Beispielen gab er einen schwungvollen Überblick über die Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahrhunderte bis heute – und die damit verbundenen Umbrüche in Gesellschaft und in Kirche. Für die aktuelle Situation zeigte er auf, dass wir uns zunehmend in einer Wissensgesellschaft befinden, in der die Arbeit in der „gedachten Welt“ stattfindet: analysieren, Probleme lösen, Spezialwissen erwerben und gezielt anwenden. Die Arbeit geht uns nicht aus, denn wir werden immer genug Probleme haben, aber die Arbeit ändert sich.
Wichtigster Faktor für Erfolg und Wohlstand ist nicht mehr die Technik, sondern sind die Menschen hinter der Technik. Genauer: Die gute Zusammenarbeit zwischen den Menschen und eine konstruktive Streitkultur, denn komplexe Probleme lassen sich nur noch gemeinsam lösen. Erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen stellen sich aktiv auf diesen Trend ein. Das wird auch die Gesellschaft und die Kirche verändern. Händelers verblüffende aber gut begründete These: Die Verhaltensweisen, die für die Arbeit in der Wissensgesellschaft gefordert sind, entsprechen der Ethik des Evangeliums, das damit eine ganz neue Relevanz bekommt.
Ein Blick in die Gesichter der etwa 40 Zuhörer zeigte gespanntes Zuhören, Stirnrunzeln, Lachen und viel zustimmendes Kopfnicken. Händelers Thesen bewegten etwas in den Köpfen. Denkanstöße nicht nur zu Wirtschaft und Gesellschaft, sondern auch zu Glaubensfragen.
Kann uns ein Wirtschaftswissenschaftler etwas zu Glaubensfragen sagen? Ein klares Ja! Mehr noch: Der Glauben ist so wichtig, dass man ihn nicht allein den Theologen überlassen kann, sondern ihn mit Wirtschaftswissenschaftlern, Kaufleuten, Ingenieuren und vielen „Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung“ diskutieren muss! Jedenfalls dann, wenn unser Glauben sich nicht nur auf Beten, Kirchgang und Almosengeben reduziert, sondern eine gestaltende Kraft in der Gesellschaft sein soll. Wo wäre ein besserer Ort, um diese Diskussion zu starten, als im KKV.

Thomas Michalski

Was sagt das Evangelium zu guter menschlicher Zusammenarbeit in Wirtschaft und Gesellschaft?

Einige Beispiele:

Es sei aber euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein (Jak 5,12)
Verlässlichkeit und Offenheit in den Aussagen und ehrliches, gemeinsames Bemühen um die Wahrheit als Basis einer soliden Zusammenarbeit

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst (Mt 22,39)
Selbstliebe ist wichtig, im Sinne von Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. Auf dieser Basis muss man den Anderen auf Augenhöhe begegnen und ihnen ihre Eigenarten und ihre persönliche Entfaltung in gleicher Weise zugestehen und sie darin unterstützen.
Streitkultur: Auch bei Streit in der Sache die Person würdigen, niemanden niedermachen, selbst wenn er mal Unrecht hat. (beim nächsten Mal könnte man selbst unrecht haben . . .)

Wer von euch der Größte sein will, sei der Diener aller (Mt 23,11)
Ein neuer Blick auf Hierarchie: Nicht Macht, sondern Zusammenarbeit in verschiedenen Rollen und Ebenen, keine Über- und Unterordnung, sondern gegenseitige Wertschätzung.

Siebenundsiebzig mal verzeihen (Mt 18,22)
Auch wenn es schwerfällt: Bei Konflikten sich immer wieder vertragen und „zusammenraufen“. Nicht nachtragend sein, der Beziehung und der Zusammenarbeit
immer eine neue Chance geben.

Und viele, viele andere Stellen – angefangen von den Zehn Geboten . . .

Haben Sie das Neue Testament schon mal unter diesem Gesichtspunkt gelesen und diskutiert?
Wenn man bedenkt, wie viel Zeit und Energie durch schlechte Zusammenarbeit und fehlende Streitkultur verschwendet wird – in der Wirtschaft, in der Politik und auch in der Kirche – ist das sicher lohnend.

Thomas Michalski

KKV-Aktuell, Ausgabe 10-2019

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Unser Titelbild von KKVAktuell zeigt

Das Titelbild einer Bibel.

In Westeuropa stagnierten um 1200 zwar Naturwissenschaften und Philosophie, dafür entwickelte sich aber das Ingenieurwesen sehr stürmisch. Der Baumeister war in der Periode der gotischen Kathedralen eine angesehene Persönlichkeit. Deshalb ist Gott in den „Bible Moralisés illustrées“ jener Zeit (den Comic-Strip-Bibeln) oft mit einem Zirkel dargestellt
Hier ist als Beispiel die Titelseite einer berühmten gotischen Handschrift der Bible Moralisée, die zwischen 1220 und 1250 entstand, zu sehen.
Das Bild zeigt Gott als Architekten, der das Universum – Himmel, Erde, Sonne, Mond und alle Elemente [Erde, Wasser, Luft und Feuer] – mit einem Zirkelschlag messend formt. In der neu geschaffenen Welt nehmen wir drei Formen wahr: Kreis, Wellen und „Schlangenlinien“. Kreise und Wellen wurden mit kolossalem Aufwand untersucht, sie bilden die eigentliche Grundlage der Naturwissenschaften und konnten mit einem Zirkel erfasst werden. Die Schlangenlinien wurden erst im 20. Jahrhundert als Fraktale beschrieben.

Regina Michalski

Vorwort

Liebe KKV-Mitglieder, liebe Leserinnen und Leser,
im Monat Oktober feiern wir wieder das Erntedankfest. Das Wort erklärt schon, worum es geht. Wir danken für die Lebensmittel, die die Bauern ernten, damit wir ausreichend zu essen haben. Ich denke aber am Erntedank auch an etwas anderes, nämlich an das „Dankbarsein“.
Immer öfter drängt sich mir der Eindruck auf, wir lebten in einer hoffnungslosen Zeit. Nicht, weil es uns so dramatisch schlecht ginge, sondern weil viele Menschen nichts mehr erwarten. Hoffnung bezieht sich nur noch darauf gesund zu bleiben, dass aus den Kindern etwas Ordentliches wird, bei manchen auch nur noch auf den nächsten Urlaub oder das nächste neue Auto. Doch wo bleibt dann die Dankbarkeit für das was besteht? Ist es nicht ein Geschenk, zu leben, gesund zu sein, Freunde zu haben? Dies ist nicht selbstverständlich! Wir alle leben doch von Geschenken, die wir unerwartet und unverdient erhalten. Sie könnten uns nachdenklich machen und Anlass sein, nach der Quelle der eigenen Lebenskraft zu suchen. Dietrich Bonhoeffer hat das einmal treffend ausgedrückt: „Dankbarkeit macht das Leben erst reich“, denn die Dankbarkeit öffnet die Augen dafür, dass „der Mensch unendlich mehr empfängt, als er gibt“.
Mir hat es persönlich die Augen geöffnet seit ich oft auf andere Hilfe angewiesen bin. Wie bin ich dankbar gegenüber Jedermann, der mir seine Hilfe anbietet, natürlich zuerst dem lieben Gott, der mir das Leben geschenkt und mir eine liebe Frau zur Seite gestellt hat. Aber auch vielen Freunden, Bekannten und der ganzen Familie, die mich erträgt und trägt, bin ich überaus dankbar. Einer meiner guten Freunde sagte nach jeder unserer Begegnung „Danke“, was mich zunächst irritierte, aber
heute auch beruhigt. Wir alle kennen das schöne Kirchenlied, das wir uns immer wieder vor Augen halten sollten und das u.a. das treffend ausdrückt: „Danke, für diesen guten Morgen, danke, für jeden neuen Tag.
Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag. Danke, für alle guten Freunde, danke, o Herr für jedermann. Danke, wenn auch dem größten Feinde ich verzeihen kann. Danke, für manche Traurigkeiten, danke, für jedes gute Wort. Danke, dass deine Hand mich leiten will an jedem Ort.
Danke, ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.“
Dass Sie diese Dankbarkeit spüren, wünsche ich Ihnen von Herzen.

Kreuzschiff voraus
Vb Karl Klodwig

Aktion 1 Pfund mehr

Auch in diesem Jahr hat der KKV Hildesheim die Aktion des Guten Hirten unterstützt. Am Samstag, 10.08.2019, wurden vor dem Lebensmittelmarkt Potratz Lebensmittelspenden gesammelt. Bei fast allen Kunden stießen wir auf großes Wohlwollen, viele kennen den „Guten Hirten“ und manche bedankten sich sogar für unseren Einsatz und wünschten uns viel Erfolg. So gab es vielen großzügige Spenden: Nach etwa 4 Stunden konnten wir 20 große Kisten voller guter Lebensmittel zum Guten Hirten bringen! Außerdem gab es noch einige spontane Geldspenden für den Guten Hirten, insgesamt 96,50 Euro.
Es war also eine sehr erfolgreiche Aktion, nicht nur für den Guten Hirten, sondern auch für das Team des KKV, Vb Thomas Adamski, Vb Thomas Michalski, Vb Dietrich Quäker und Vb Harald Wehrmaker, denn so viel Freundlichkeit, Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft erlebt man nicht alle Tage! Wir danken dem Inhaber des EDEKA-Markt, Herrn Potratz, und den viele freundlichen Spendern! Vergelt‘s Gott!

Bericht vom Tag der Verbände

Lob, Dank und große Anerkennung!

Am 31.August 2019 fand auf Einladung von Bischof Heiner Wilmer im BGV der Tag der katholischen Verbände statt. Einen ganzen Samstag lang nahm sich Bischof Heiner Zeit, um „seine“ Verbände im Bistum intensiv kennenzulernen. Der KKV, vertreten durch den Diözesanverband mit H. Bertram, H. Czechak, Dr. R. Busemann und H. Flohr, präsentierte seine Grundsätze, Themen, Ziele und Aktivitäten mit ansprechenden Plakaten (Entwürfe: Th. Michalski) und einem Kurzvortrag (H. Bertram) im Plenum.
Bischof Heiner reagierte spontan auf die jeweilige Präsentation und zeigte sich äußerst beeindruckt von der Vielfalt und inhaltlichen Arbeit der Verbände.
Anschließend sprach der Bischof über seine Intentionen, seine Leitungsaufgabe im Bistum.
Ausgehend von der Frage: „Wie können wir das Evangelium heute verkünden?“, wies er auf seinen Wahlspruch hin: „Adjutores gaudii vestri“, Gehilfen! Zu Eurer Freude.
Der Bischof also, als einer von vielen im Dienst an Menschen, denen es nicht gut geht, körperlich und geistig, die Orientierung suchen. Und: Wie können wir Anlaufstelle sein für die Menschen, die hier leben?
Bei 5,2 Mio. Menschen im Bistum gibt es 600.000 Katholiken, von denen etwa 10% kirchlich aktiv sind, also 60.000. Wie sehen wir nun diese anderen? Dem Bischof geht es dabei nie um Ämter und Strukturen, sondern ausschließlich um das Evangelium und den Menschen.
Wie sind wir unterwegs? Wo gibt es Räume und Zeit, Zeit zum Zuhören? Er möchte, dass in jedem Pfarrhaus „Licht brennt“, dass Menschen vor Ort einfach da sind (vor allem auch „Laien“), dass die Kirchen offen sind und nicht nur für Eucharistiefeiern, sondern auch für Andachten, stilles Gebet, Meditation… Kirche muss vor Ort sein, weitere Fusionen soll es nicht geben!
Bischof Heiner bezieht sich dabei auf das Emmaus Evangelium als „Magna Charta“ auf der Suche nach Orientierung („Was war eigentlich an Ostern“?), um die Menschen zu begleiten. Zusammenfassend spricht der Bischof von diesen Grundhaltungen:

– Orientierung nehmen an der Bibel

– Ansetzen bei der Erfahrung der Menschen, deren Lebenswirklichkeiten

– Partizipation, gemeinsam agieren (Macht teilen, z.B. bei Vergabe von
Finanzmitteln)

– Die Richtung beibehalten, d.h. Beständigkeit ist unabdingbare Forderung.

Liebe KKVer und KKVerinnen,
Während einer Pause im Tagesablauf kam der Bischof direkt auf uns zu und wir KKVer konnten uns persönlich mit ihm austauschen.
Bischof Heiner erwähnte dann ausdrücklich die Umweltenzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus. Sie sei ihm das wichtigste Herzensanliegen und alle Menschen sollten die Inhalte kennen: Bewahrung der Schöpfung, denn dahinter steht ein Schöpfer und Alles hängt mit Allem zusammen. Als Konsequenz gehe es um sensible Aufmerksamkeit für unsere Umwelt, die u.a. einen schlichten Lebensstil einfordere und damit auch Auswirkungen auf kirchliches Handeln haben müsse.
Als KKVer hat uns dieser Aspekt in den Ausführungen des Bischofs besonders gefreut, sind wir doch mit unserem Gesprächskreis (Christ sein in unserer Welt) voll in der Spur mit unserem aktuellen Thema. (Laudato si)
Zum Abschluss des Tages, der eingerahmt war von Bibeltexten, Gebeten, Fürbitten und Besuch des Gottesdienstes im Dom, zeigte Bischof Heiner noch einmal deutlich, wie wichtig ihm „seine“ Verbände sind, Zitat: „Sie haben bei mir einen Stein im Brett, und ich bin froh und dankbar, dass es Sie gibt“.
Am Ende des Tages haben wir mit einem guten Gefühl die Veranstaltung verlassen. Die Eloquenz, Persönlichkeit und Denkrichtung unseres Bischofs sind mehr als überzeugend.

Herzlich, Ihr
Heiner Flohr

Grundlagen der katholischen Soziallehre:
Wie kommt die Soziallehre zu ihren Erkenntnissen – und was bedeutet das für uns?

Mit der „katholische Soziallehre“ positioniert sich die Katholische Kirche („das Lehramt“) zu wesentlichen Fragen der Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung. Die Aussagen dazu sind nicht spontane Ideen der jeweiligen Päpste, sondern dahinter steht eine systematische Denk- und Arbeitsweise, in der Erkenntnisse aus verschiedenen Quellen zusammengeführt werden:
Erste Grundlage für die Soziallehre ist natürlich der christliche Glaube, der sich aus der Offenbarung und der christlichen Überlieferung ergibt. Ein typisches Beispiel dafür ist das „christliche Menschenbild“. Zweite Grundlage ist das Naturrecht. Christen wissen, dass sich Gott nicht nur in der Schrift, sondern auch in seiner Schöpfung offenbart, dass also in der Schöpfung eine gottgewollte Ordnung erkennbar ist. Diese zu sehen und zu verstehen kann eine echte Herausforderung sein. Aktuelles Beispiel sind die Aussagen der „Umweltenzyklika“ Laudato si, die auf die komplexen Strukturen der Ökosysteme eingeht, in denen auch der Mensch lebt – und Verantwortung übernehmen muss. Dritte Grundlage der Soziallehre ist die menschliche Vernunft. Ihre Aussagen „fallen also nicht vom Himmel“, sondern werden durch sorgfältiges Nachdenken und oft durch intensive Diskussionen erarbeitet. Beispiel dafür sind die klugen Überlegungen zur Wirtschaftsordnung von Oswald von Nell-Breuning, die den Aufbau der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland wesentlich geprägt haben. Die vierte Grundlage der Soziallehre besteht im Dialog mit den anderen Wissenschaften, sowohl mit den Naturwissenschaften (Physik, Ingenieurwesen, Biologie, Medizin, usw.) als auch mit den Sozialwissenschaften (Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft, usw.). Ein Beispiel sind die neuen Möglichkeiten in der Medizin oder der Informatik, die man nicht verteufeln darf, sondern mühsam verstehen muss, um die Chancen und Gefahren richtig zu bewerten.
Wenn man verstanden hat, auf welchen Grundlagen die katholische Soziallehre entwickelt wird, ergeben sich zwei wichtige Folgerungen:

Aussagen und Grundlagen der Soziallehre kann und muss die Kirche (und jeder einzelne Christ) in eine konstruktive und fruchtbare Diskussion einbringen, nicht nur mit anderen Christen, sondern mit allen Menschen guten Willens! Das ist ein unverzichtbarer Beitrag zur Entwicklung der Wirtschafts- und Sozialordnung – in Deutschland und weltweit.

Jeder ist als Christ gefordert, die Soziallehre zu kennen, zu verstehen und nach Möglichkeit für sein Umfeld zu konkretisieren und anzuwenden. Jeder muss entscheiden, was dies für ihn bedeutet: als Bürger, Wähler, Arbeitnehmer, Unternehmer, Sparer, Konsument, Betriebsrat, Parteimitglied, usw.

Dass auch innerhalb der Soziallehre noch vieles verbessert werden muss, steht außer Frage. Beispielsweise die Übertragung vieler Erkenntnisse in die heutige Lebenswelt und die heutige Sprache, die Weiterentwicklung aufgrund neuer Bedingungen und nicht zuletzt der Umfang und die Qualität des „Dialogs mit den Wissenschaften“. Aber eins ist sicher: Ohne die Unterstützung und den Sachverstand der christlichen Laien kann die katholische Soziallehre nicht wirksam werden!

Thomas Michalski
Vorsitzender KKV Ortsgemeinschaft Hildesheim

Wer es genauer wissen will, dem empfehle ich den „Docat“
oder das „Kompendium der katholischen Soziallehre“
– oder das Gespräch mit anderen, sachkundigen KKVern.