KKV-Aktuell, Ausgabe 10-2021

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Das Titelbild im Monat Oktober, dem Rosenkranzmonat, zeigt das Altarbild der St. Mauritius-Kirche, wenn das Rosenkranzbild zwischen Oster- und Weihnachtszeit an der Reihe ist:
Maria überreicht dem hl. Dominikus den Rosenkranz. Die Darstellung geht auf die bekannte Legende zurück, die von Alanus de Rupe um 1468 verbreitet wurde. Diese besagt, dass der heilige Dominikus, Gründer des Dominikanerordens, die heutige Form des Rosenkranzes 1208 bei einer Marienerscheinung empfangen und sie in seinem Orden eingeführt haben soll. Weiter erzählt die Geschichte, dass Maria den Rosenkranz dem hl. Dominikus als Waffe im Kampf gegen die Albigenser geschenkt habe.
Eine andere nicht ganz so heilige Geschichte erzählt, dass Anfang des 13. Jahrhunderts aus der Armutsbewegung heraus der Franziskaner- und der Dominikanerorden etwa zur gleichen Zeit gegründet wurde. Sie wollten in unruhigen Zeiten die römisch-katholische Lehre verbreiten und die Häresie bekämpfen Der Hl. Franziskus war bekannt und beliebt, bekannt auch für verschiedene Wunder und der Orden war erfolgreich. Dem Hl. Dominikus war jeder Personenkult unerwünscht. Doch das wurde nach seinem Tod für seinen Orden in der täglichen Konkurrenz mit den Franziskanern zu einem beträchtlichen Handikap.
Da kam die große rettende Idee. Der heilige Franziskus hat gewiss erstaunliche Wunder gewirkt, aber der heilige Dominikus hat noch viel Staunenswerteres getan. Er hat den Rosenkranz erfunden. Ja, das ist die Legende, die noch heute in abertausend Kirchen über dem Rosenkranzaltar zu sehen ist – so auch in St. Mauritius.
Der Rosenkranz wurde von den Dominikanern verbreitet, das ist ihr Verdienst.
Die Legende würde man heute als Marketing-Maßnahme bezeichnen.

Regina Michalski

Vorwort

Liebe Verbandsschwestern und -brüder im KKV,

seit meiner Schulzeit begleitet mich ein Gedicht von Rainer Maria Rilke. Nach den langen Monaten der Corona-Pandemie bewegt es mich besonders, weil ich meine, dass es gerade in diese Herbstzeit passt:

Herbstzeit
Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein,
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

In dem vergangenen Jahr ist für viele Menschen die Einsamkeit besonders groß geworden. Kontakte sind eingeschlafen. So manche Treffen und Veranstaltungen – auch im KKV Hildesheim – konnten nicht stattfinden. Familien begegneten sich nur über Videos oder Telefon.
Aber es war nicht alles nur trostlos.
Wir hatten ein schönes Frühjahr und einen überwiegend guten Sommer. Die Blumen blühten so üppig wie lange nicht. Nach langer Trockenheit gab es zur rechten Zeit Regen. Stolz wogte das Getreide auf riesigen Feldern. In den Gärten reiften die Früchte und sorgten für eine gute Ernte. Vor schweren Unwettern wurden wir bewahrt, während in anderen Gebieten noch immer traumatische Erlebnisse zu bewältigen sind.
W
ir vergessen leicht, wie sehr wir auf Gottes Hilfe angewiesen sind. Der Mensch baut auf seine eigene Kraft und auf die Kraft moderner Maschinen.
Früher waren ganze Familien in die Feld- und Gartenarbeit einbezogen. Alle hofften darauf, dass ihre Mühen Früchte tragen würden. Bittprozessionen und Bitttage wurden gehalten um Gottes Hilfe. Heute können wir alles fertig kaufen und hätten sogar genug, um mit anderen zu teilen.
Deshalb haben wir auch reichlich Grund, Dank zu sagen.
E r n t e d a n k f e s t !   Ein Fest, Gott zu danken für alles Gute und für seine wunderbare Schöpfung.
In diese Zeit fällt auch das Fest des hl. Franziskus von Assisi. Er hat schon im 12./13. Jahrhundert ein Lob auf diese Schöpfung gesungen. Sein Sonnengesang ist weltbekannt und preist aus vollem Herzen alles Lebendige, lange, bevor sich jetzt die Menschheit um die Umweltzerstörung Sorgen macht.
Es macht uns Angst, wenn wir an die Zukunft unserer Kinder und Großkinder denken. Deshalb ist jeder von uns aufgerufen, seinen Teil dazu beizutragen, dass es auch nach uns noch eine lebenswerte Welt gibt.
Mit dem hl. Franziskus preisen wir Gott im Sonnengesang:

Du höchster, mächtigster, guter Herr,
Dein ist der Lobpreis, Ruhm und Ehre
Und jeglicher Dank zumal:
Erhabener, Dir nur gebührt es,
und kein Mensch ist würdig,
Dich nur zu nennen.

Gelobt seist Du, Herr,
mit allen Wesen die Du erschaffen,
der edlen Herrin vor allen, Schwester Sonne,
die uns den Tag macht und freundlich
Licht uns durch ihn spendet.
Schön ist sie in den Höhn
Und prächtig in mächtigem Glanze:
Dein Gleichnis birgt sie, Erhabener.

Gelobt seist Du, Herr,
durch Bruder Mond und die Sterne
Du schufest sie, dass sie funkeln
am Himmel köstlich und schön.

Gelobt seist Du, Herr,
durch Bruder Wind
und Luft und Wolke und Wetter,
mildes und anderes auch,
wodurch Du belebst, was Du erschufest

Gelobt seist Du Herr,
durch Schwester Quelle:
Sie ist gar nützlich und bescheiden,
dabei so köstlich und keusch.

Gelobt seist Du Herr,
durch Bruder Feuer:
durch den du uns leuchtest in der Nacht:
Er glühet mild und sprühet
gewaltig und kühn.

Gelobt seist Du, Herr,
durch unsere Schwester, die Mutter Erde,
die stark und gütig uns trägt
und zeitigt mancherlei Frucht
mit farbigen Blumen und Gras.

(Auszug aus „DER SONNENGESANG DES SAN FRANCESCO“ Übersetzung auf Grund der altitalienischen Originalfassung von 1225 von Otto Karrer, Luzern)

Christa Bertram

KKV-Aktuell, Ausgabe 9-2021

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Die Sonnenblumen blühen vorwiegend von August bis Oktober und haben eine besondere Eigenschaft (Heliotropismus): sie richten sich zur Sonne hin aus und schwenken dabei im Tagesverlauf von Ost nach West. … Dazu gehört auch, dass sich die Sonnenblumen in den Nachtstunden wieder zurückdrehen, um am Morgen erneut nach Osten zu blicken.
Die Sonnenblume zählt zu den ersten Pflanzen, die in Amerika von den Indianern kultiviert wurden. Die Indianer haben die Samen vermutlich schon vor hunderten Jahren als Nahrungsmittel verwendet. Sie schätzten nicht nur ihre Samen, sondern auch den Rest der Pflanze für unterschiedlichste Zwecke.
Erst im 16.Jahrhundert wurde die Sonnenblume von den Spaniern als Zierpflanze in Europa eingeführt. Die Kerne finden in Europa seit dem 17. Jahrhundert Verwendung, geröstet als Ersatz für Kaffee oder Trinkschokolade. Als Ölpflanze (Sonnenblumenöl) wird die Sonnenblume überraschenderweise erst seit dem 19. Jahrhundert genutzt. Inzwischen hat sie sich auf der ganzen Welt verbreitet und wird auf Sonnenblumenfeldern angebaut.
Wer denkt, dass Sonnenblumenkerne nur Vogelfutter seien, täuscht sich! Die Kerne enthalten viel Eiweiß (21 g pro 100 g), aber auch viel Fett und sind damit sehr energiereich (551 kcal pro 100 g). Heute findet man die geschälten Kerne u.a. in Backwaren und Müsliriegeln.
Aus der Malerei sind die Gemälde Sonnenblume in einer Vase von Vincent van Gogh bekannt.

Genießen wir den Spätsommer oder Frühherbst
Regina Michalski

Enkelkinder, auch mit Gott befreundet?

Liebe KKV er,- innen,

An diesem 25.Juli wurde zum ersten Mal der von Papst Franziskus eingerichtete Welttag der Großeltern und älteren Menschen in der Kirche begangen. Franziskus sieht in der besonderen, freundschaftlichen Verbindung von Großeltern zur jungen Generation eine wichtige Rolle zur Weitergabe des Glaubens. Dabei kommt dem Vorbild, dem gelebten Leben gerade im religiösen Bereich große Bedeutung zu. Nicht die Lehre ist in erster Linie für den Umgang mit Kindern wichtig, sondern das eigene Beispiel und die liebevolle Begleitung in einer zugewandten Atmosphäre.
Großeltern können so zu Ankerpunkten des „basic trust“, des kindlichen Grundvertrauens werden. Wenn ich an das jüngste Mitglied (8 Monate) in meiner Familie denke, kann ich es nur bestätigen: Urvertrauen.
Für Kinder gehört Freundschaft zu den tiefsten Sehnsüchten. Das zeigt sich gerade in der Corona-Krise mit ihren Belastungen in der Familie und mit den Einschränkungen der Sozialkontakte, die gerade für die Jüngsten gravierend sind. Das Evangelium bringt aber auch Gott ins Spiel und will vor überhöhten Anforderungen schützen, wenn Jesus im Johannesevangelium sagt: „Ich habe euch Freunde genannt, denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ (Joh 15,15)
Freunde, also in diesem Fall Eltern und Großeltern, können und müssen nicht perfekt sein, nicht immer alles richtig machen, sich nicht für alles verantwortlich fühlen. Mit solcher Erkenntnis können sie dann viel aufmerksamer auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen und damit auch Abschied vom Wunschbild des perfekten Kindes nehmen, Fehler zulassen, und das eigene Kind nicht mit anderen vergleichen. In so gelebter Liebe zum Kind kann sich in der Familie entfalten, was Paulus im Römerbrief schreibt: „denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft, ….., sondern den Geist der Kindschaft empfangen.“ (Röm 8, 15).
Aufgrund ihres Alters und ihrer Lebenserfahrung zur Ruhe gekommen, sind Großeltern ideale Partner für ihre Enkel: sie bringen immens viel Geduld auf, verfügen über anhaltend zweckfreie Zeit, können zuhören, wenn Kinder von ihren Erlebnissen berichten möchten, oder wenn kindlicher Kummer eines tröstenden Wortes bedarf. Großeltern schenken so Geborgenheit, haben oft das „richtige Gespür“, wissen Rat und helfen weiter. Zum anderen geben Kinder den Älteren unbewusst etwas Wichtiges zurück. Großeltern erfahren in ihrem Alter neuen Sinn, Freude und echte Bereicherung ihres Lebens durch ihre Enkel. Eine glaubhafte Gegenliebe, die zu einem Glück führt, dessen Schlüssel letztlich die Dankbarkeit ist.

Herzlich, Ihr
Heiner Flohr