KKV-Aktuell, Ausgabe 12-2020


Foto: Peter Friebe

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Geht es Ihnen auch so? Wenn Sie Sterne in der Advents- und Weihnachtszeit sehen, denken Sie hin und wieder an den Stern von Bethlehem?
Ob aus Stroh, aus Goldpapier oder sogar mit elektrischer Beleuchtung wie unser Titelbild, der Stern von Bethlehem darf über keiner Krippe fehlen: Angeblich hat nämlich ein heller Stern am Sternenhimmel vor 2000 Jahren die Geburt Jesu Christi verkündet. Seit vielen Jahren rätseln nun Sterndeuter, also die heutigen Astronomen oder Physiker, ob es diesen besonderen Stern wirklich gegeben hat.
Nach Mt 2,1 ff. erklärten die Magier (= Heilige Drei Könige): „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen… Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.“ Dieser Stern war ihnen also Signal und Wegweiser.
Vielleicht hat es in Wirklichkeit keinen Stern von Bethlehem gegeben. Für alle Christen ist mit der Geburt Jesu jedenfalls ein neuer Stern der Hoffnung aufgegangen. Vielleicht will die Bibel vor allem diese Geschichte erzählen.

In Gottesdiensten singen wir:

1. Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg,
Führ uns zur Krippe hin, zeig wo sie steht,
Leuchte du uns voran, bis wir dort sind,
Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind.

2. Stern über Bethlehem, nun bleibst du stehn
Und lässt uns alle das Wunder hier sehn,
Das da geschehen, was niemand gedacht,
Stern über Bethlehem, in dieser Nacht.

3. Stern über Bethlehem, wir sind am Ziel,
Denn dieser arme Stall birgt doch so viel!
Du hast uns hergeführt, wir danken dir.
Stern über Bethlehem, wir bleiben hier!

4. Stern über Bethlehem, kehrn wir zurück,
Steht noch dein heller Schein in unserm Blick,
Und was uns froh gemacht, teilen wir aus,

Stern über Bethlehem schein auch zu Haus.
GL 261

Regina Michalski

Vorwort

Liebe KKVerinnen und KKVer!

2020 – Das Jahr mit Corona

Am 14. März feierte ich die Vorabendmesse im Kloster Marienrode. Alles war anders: Das Virus COVID-19 war da. „Hygiene-Maßnahmen“ wurden angeordnet. Jedenfalls durfte ich keine hl. Messen feiern – und die Gläubigen durften keine Gottesdienste besuchen: Palmsonntag, Karwoche, Ostern, Erstkommunion … alles fiel aus. Weltweit. Papst Franziskus war allein auf dem Platz vor dem Petersdom. Er betete und segnete die ganze Welt – ohne Beteiligung des Volkes. Am Fernseher erlebten das Millionen Menschen in vielen Ländern. Überhaupt waren Telefon, Bild-Übertragungen und Medien eine gute Hilfe. Denn: Kontakte wurden eingeschränkt, Senioren starben ohne Angehörige, Veranstaltungen verboten, viele Geschäfte zu, kein Unterricht, keine Reisen, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit … Existenzsorgen machten sich breit.
Seuchen und Notzeiten hat es in der Geschichte immer gegeben, aber nicht in den letzten 75 Jahren bei uns. Woran können wir uns festhalten? Wer führt uns aus der Krise? Die Bibel berichtet viel von Nöten, Schicksalsschlägen, Ängsten. Sie verbindet damit die Hoffnung auf Gott, der rettet und heilt. Er macht das oft ganz anders, als die Menschen das sich vorstellen konnten, aber er war „der Fels in der Brandung“.
Im Advent werden uns Hoffnungstexte verkündet: Gott lässt die Welt nicht im Stich. Sie können uns die Augen öffnen für diesen Gott, der „den Himmel zerreißt“ und selbst herab steigt zu uns Menschen, um sich unser anzunehmen. Der Apostel Paulus ruft uns zu: Gott ist treu. An jedem 1. Advent hören wir die Botschaft, dass Jesus am Ende der Zeiten wiederkommt. Er macht uns Mut zur Wachsamkeit, damit wir Gottes Wirken erkennen. Mit ihm werden wir die Katastrophen besiegen. Gottes Zusage, Gottes Wort wird nicht vergehen.
Der Prophet Jesaja klagt: Niemand ruft deinen Namen an. Du hast dein Angesicht vor uns verborgen. „Doch nun, HERR, du bist unser Vater. Wir sind der Ton und du bist unser Töpfer; wir alle sind das Werk deiner Hände.“ Wir wissen nicht was uns bevorsteht. Wir dürfen damit rechnen, dass Gott unsere Wege begleitet und zu uns steht. Er lässt uns – wie ein guter Töpfer – nicht aus seinen Händen fallen, aber er prägt und formt uns. Wir wissen nicht was kommt. Aber wir wissen, wer kommt. Bleiben wir wachsam und erkennen wir seine Gegenwart. Dann wächst nicht die Angst, sondern das Vertrauen in ihn.
Krisen sind Zeiten der Neu-Ausrichtung. Nutzen wir die Corona-Krise, uns neu auf Jesus Christus auszurichten. Sie ist eine gute Chance! Dann bekommen auch Advent und Weihnachten wieder ihren Sinn. Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen einen gesegneten Advent und viel Freude zu Weihnachten!

Prälat Heinrich Günther

Stille Zeit

Ein berühmter Komponist hat die Stille vertont. John Cage ist sein Name. Die Uraufführung seines Stückes 4’33 fand am 29.08.1952 in der Maverick Concert Hall in Woodstock (New York) statt. Man stelle sich vor: Der Pianist tritt auf, verneigt sich, ihm wird applaudiert. Er öffnet den Flügel, setzt sich davor und alle warten, warten auf den ersten Ton. Doch es gibt keinen Ton. Keinen einzigen. Nach exakt 4 Minuten und 33 Sekunden schließt der Pianist den Flügel, verneigt sich und geht.
Für viele war es ein Skandal, da den Zuhörern nicht bekannt war, dass sie keine Musik hören würden. Auch heutzutage wird das Stück noch manchmal aufgeführt. Jetzt, wo man weiß, was einen erwartet, ist die Reaktion anders. Einige schließen die Augen, manche lächeln, andere werden unruhig. Manchen kommt die Zeit lang vor, andere sind überrascht, wie schnell die Zeit vergangen ist.
Stille auszuhalten kann schwierig sein – und wenn man etwas erwartet, ist es noch schwieriger.

Barbara Kreutzer

Einladung zur Krippenandacht des Diözesanverbands

am Samstag, 09.01.2021 um 10.30 Uhr in St. Martinus Himmelsthür

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“ So verkündet es das „große himmlische Heer“ Gott lobend den Hirten in der Heiligen Nacht auf den Feldern vor Betlehem. „Friede auf Erden“? Was ist das für ein Friede? Dieser Frage gehen wir in einer Krippenandacht in der Kirche St. Martinus in Himmelsthür nach – eine andere, coronabedingte Form unserer alljährlichen Krippenfahrt. Dabei möchte ich Sie mitnehmen auf eine Pilgerreise in das Heilige Land nach Betlehem und zu den Hirtenfeldern sowie nach Kleinasien.
Im Zentrum der Krippe von St. Martinus liegt, alle Blicke des Betrachters auf sich ziehend, das neugeborene Kind auf Heu und Stroh. Wie bei allen Krippendarstellungen, die wir schon gesehen haben, wird das Kind umgeben von Maria und Josef, den anbetenden Hirten, Ochs und Esel sowie den hinzutretenden drei Magiern. Über allem leuchtet der Stern von Bethlehem.
Aufgefallen sind mir auf Bildern der Krippe die Schlichtheit und Gesten der Figuren. Gern möchte ich sie im Einzelnen vorstellen und in diesem Jahr der Frage nachgehen: Wie kommen Ochs und Esel in den Stall von Bethlehem?
Aber auch das Weihnachtsevangelium nach Lukas soll noch einmal verkündet und intensiv angehört werden. Das Geheimnis des Glaubens, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, erschließt sich uns nämlich im Hören des Wortes Gottes.
Archäologen haben eine antike griechische Inschrift auf einer Steintafel ausgegraben, die aufhorchen lässt. Sie erinnert stark an das Weihnachtsevangelium. Besteht da ein Zusammenhang? Die Inschrift spricht besonders vom Frieden auf Erden. Die spannende Untersuchung der Steintafel führt uns zu einer aufschlussreichen Antwort auf unsere eingangs gestellte Frage, was der Friede auf Erden den ersten Christen bedeutet und wie dieser weihnachtliche Friede auf uns selber übergehen und in uns zu unserem Heil wirken kann.
Stets bildet unsere alljährliche beliebte Krippenfahrt einen würdigen Abschluss der Weihnachtsfestlichkeiten und einen gesegneten Auftakt des Neuen Jahres. Herzlich lädt der Diözesanvorstand des KKV-Hildesheims gerade und besonders in dieser schwierigen Krisenzeit zur diesjährigen Krippenandacht ein. Die Größe und Luftigkeit des Kirchenraumes, die begrenzte Teilnehmerzahl und die Beachtung der strengen Hygieneregeln des Bistums sorgen für einen größtmöglichen Schutz. Bitte folgen Sie den Anweisungen des Ordners an der Zugangstür der Kirche, bringen und tragen Sie (auch in der Kirche) einen Mund-Nasen-Schutz und ziehen Sie warme Kleidung an, da die Kirchen nur schwach geheizt werden dürfen.

 Ihr Diakon Dr. Rolf Busemann

KKV-Aktuell, Ausgabe 11-2020


Foto: Johamar, Wikipedia.  Alle Fotos aus dem Dommuseum sind urheberrechtlich geschützt.

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Erkennen Sie das abgebildete Kruzifix auf unserer Titelseite?
Es handelt sich um die Kopie des Ringelheimer Kreuzes, die Hans Kazzer (München) 1993/94 schuf und die die ursprüngliche Gestalt des Kreuzes einfühlsam rekonstruiert. Sie hängt als Triumphkreuz über dem Zelebrationsaltar der Kirche St. Abdon und Sennen in Salzgitter-Ringelheim.
Das Original des Christuskorpus wird im Rittersaal des Dommuseums ausgestellt. Das Ringelheimer Kruzifix ist eines der ältesten vollplastischen Bildwerke des Mittelalters. Es ist entstanden in der Blütezeit des Bistums unter Bischof Bernward (993 – 1022) und ist eine Dauerleihgabe aus dem Kirchenschatz von St. Abdon und Sennen.
Der Christuskorpus aus Linden- und Eichenholz – das Kreuz selbst ist nicht mehr vorhanden – ist 2,62 m hoch, 1,61 m breit und von ungewöhnlicher Lebendigkeit und Ausdruckskraft.
Bei der Restaurierung 1949–1951 wurde im Haupt des Kreuzes ein Lederbeutel mit einem Pergament gefunden. Dieses trug die Inschrift „De sepulchro domini“ (d. h. „vom Grabe des Herrn“). Die Rückseite trug die Signatur von Bernward („B.+ep.“ – Bernwardus episcopus), im Beutel lagen auch noch zwei kleine Steine, die dem Zettel nach Reliquien aus dem Heiligen Land waren.
Wer sich das Original des Christuskorpus an dem raumgreifenden Holzkreuz ansehen möchte, gehe ins Dommuseum.

Regina Michalski

Vorwort

Liebe Schwestern und Brüder im KKV!
Geht es Ihnen auch so: Den November könnte man glatt aus dem Kalender streichen. Es ist wohl der trübste Monat im Jahreslauf: nasskalt, grau in grau und früh dunkel. Die Bäume und Sträucher, sind kahl, Stürme fegen übers Land, Nebel legt sich wie ein Leichentuch darüber. Regen, Nässe und Kälte kriechen in die Knochen, der Niedergang der Natur und der modrige Geruch faulender Blätter verstärken die Melancholie dieser Tage.
Da passt es, dass der November bei uns als Trauermonat gilt. Es sind Tage der stillen Trauer und des Gedenkens an die Verstorbenen der Familie, des Freundes- und Bekanntenkreises und der ungezählten Opfer sinnloser Kriege: Allerheiligen, Friedhofsgang und Gräbersegnung, Allerseelen und Buß- und Bettag, Volkstrauertag und Totensonntag.
Angesichts des vielfachen Totengedenkens stellt sich manchem die Frage, wie es um das eigene Leben und seinem unerbittlich nahenden Ende steht. Ob und wie es nach dem eigenen Tod noch ein „Weiter“ gibt? Gibt es so etwas wie „Auferstehung“ und ein „Leben nach dem Tod“? Wem kann ich vertrauen, auf wen kann ich hoffen?
Antworten des Glaubens auf diese existentiellen Fragen gibt der Apostel Paulus. Das Wesen der Auferstehung ist der Kern seiner Botschaft. Einige Christen in der Gemeinde in Korinth bestritten die Auferstehung der Toten. Das widerlegt Paulus mit dem sog. urchristlichen Credo im Ersten Brief an die Korinther, Kap. 15 Verse 3b-5, und führt anschließend weitere glaubwürdige Zeugen an:
„Christus ist für unsere Sünden gestorben, / gemäß der Schrift, und ist begraben worden. / Er ist am dritten Tag auferweckt worden, / gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“
Und weiter: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube.“
Wie Paulus selbst zu seinem „Wissen“ über die Auferstehung gekommen ist, was das für sein Leben bedeutet und wie unsere Auferstehung sein wird, erklärt er im Fortgang des Briefes. Schon früher hatte Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Thessalonich zu dem Thema Stellung bezogen. Die erwartete nämlich, wie Paulus selbst, die Wiederkunft Christi zur Vollendung der Welt in allernächster Zeit. Als diese jedoch ausblieb und erste Gemeindemitglieder verstarben, kamen bei den Gläubigen Fragen und Zweifel auf (vgl. 1 Thess 4,13-18).
Die Zweifel sind bis heute nicht weniger geworden, wie die jüngste Umfrage der Ev. Kirche von 2019 verdeutlicht. Demnach lehnen 42 % der Deutschen einen Auferstehungsglauben ab. 28 % antworteten mit „weiß nicht“, 11 % machen keine Angabe. In der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren halten nur 12 % den Auferstehungsglauben für wahr – keine hoffnungsvolle Perspektive für die missionarische Verkündigung des Wesenskerns christlichen Glaubens, den alle 27 Schriften des Neuen Testaments bezeugen: „Gott hat Jesus aus den Toten erweckt.“
Im kommenden Jahr 2021 werden wir den wegen Corona verschobenen Biblischen Besinnungstag der Auferstehung der Toten in der Verkündigung des Apostels Paulus widmen. Denn unsere Auferstehung und das ewige Leben ist unsere Hoffnung als Christinnen und Christen. Diese Hoffnung ist unser Trost in aller Trauer und Verzweiflung und lässt uns den trüben Tagen im Trauermonat November vielleicht doch einen Lichtblick abgewinnen.

Herzlich
Ihr Diakon Dr. Rolf Busemann, Geistlicher Beirat des KKV-Diözesanverbandes

Rückblick:
Vortrag des Umweltbeauftragten des Bistums Hildesheim

Ursprünglich schon im ersten Halbjahr 2020 geplant und wegen Corona verschoben, hat es am 7. September endlich geklappt: Wir waren zu Gast im Generalvikariat bei Herrn Dr. Preuß, dem Umweltbeauftragten des Bistums Hildesheim. Unter dem Titel „Unsere Sorge für das gemeinsame Haus – die Kirche und der Umweltschutz. Ein Statusbericht“ gab er in einem gut strukturierten Vortrag einen Überblick zur aktuellen Situation und den gewaltigen Herausforderungen.
Zunächst stellte er an einigen unübersehbaren Beispielen dar, dass die globale Erwärmung und die Umweltzerstörung ungebremst fortschreiten und eine kritische Phase erreicht haben. Jeder aufmerksame Zuhörer musste sich fragen, ob diese eigentlich bekannte Botschaft ihn „wirklich erreicht“ und damit Auswirkungen auf seinen Lebensstil hat?

Die katholische Kirche hat sich zur „Erhaltung der Schöpfung“ eindeutig positioniert. Kerndokument ist bekanntermaßen die Enzyklika Laudato si‘, die im Jahre 2015 pünktlich zum Pariser Klimagipfel erschienen ist. Papst Franziskus beklagt darin nicht nur die Umweltzerstörung, sondern stellt klar, dass die ökologische und die soziale Krise in der Welt ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken. Die persönliche Verantwortung nicht nur für den Nächsten sondern genauso für „die Schöpfung“ ist elementarer Bestandteil des christlichen Lebens. Der Papst spricht deutlich von einer „ökologischen Schuld“ (. . auch wenn diese bisher vielleicht noch nicht im Beichtspiegel steht)!
Ausgehend von der Enzyklika gibt es auf allen Ebenen in den Kirchen diverse Stellungnahmen, Empfehlungen, Analysen und Konzeptpapiere. Sie reichen von CO2-Einsparung bis zur Erhaltung der Artenvielfalt und von ethischer Geldanlage bis zu „nachhaltigen Predigten“. Es bleibt die kritische Frage, was kommt davon an, was wird dadurch an konkreten Veränderungen bewirkt? – Eine Frage die sich genauso auch außerhalb der Kirchen für die Gesellschaft insgesamt stellt.
Sicher gibt es eine Reihe sinnvoller Einzelmaßnahmen: Die kirchlichen Einrichtungen am Domhof werden CO2-arm betrieben. (Was allerdings dem glücklichen Umstand zu verdanken ist, dass die EVI im Rahmen der Domsanierung eine Fernwärmeversorgung auf Basis ihres Holzhackschnitzelkraftwerks anbieten konnte, das in Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme sehr CO2-arm erzeugt. Und natürlich nutzt das Bistum Ökostrom) Für die Gemeinden gibt es seit 5 Jahren das Umweltmanagementprogramm Der Grüne Hahn, das ein systematisches Vorgehen zur Energieeinsparung und ökologischen Ausrichtung vor Ort etabliert. Ein Klimafonds soll dabei auch finanziell unterstützen. Die Teilnahme ist allerdings bisher überschaubar – die Gemeinden haben offensichtlich derzeit andere Sorgen.
Kolping hat eine Genossenschaft zum Bau und Betrieb von Solaranlagen auf Dächern kirchlicher Einrichtungen gegründet, die erste Erfolge verzeichnen kann. Das Bistum beginnt vorsichtig, seinen Grundbesitz für ökologische Landwirtschaft zu verpachten, auch wenn die Erträge dann niedriger sind. Die Mobilität der Hauptamtlichen im Bistum wurde analysiert im Hinblick auf die Möglichkeiten zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Angeboten wie „Klimapilgern“, „Klimafasten“ usw., die mehr auf die individuelle und gemeinsame Bewusstseinsbildung ausgerichtet sind. Und natürlich gibt es im Rahmen der deutschen Bischofskonferenz intensive Zusammenarbeit, die sich z.B. in dem gemeinsamen Dokument „Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag“ wiederspiegelt.
Trotz allem wird klar: Maßnahmen mit nachweislicher, deutlicher Wirksamkeit bleiben bisher weitgehend aus. (Das ist in der Kirche nicht anders als in der Gesamtgesellschaft.) Jedem aufmerksamen Zuhörer oder Beobachter ist die Ursache klar: Für wirkliche Veränderungen genügen nicht allein guter Wille und christliches Verantwortungsbewusstsein, die natürlich unverzichtbar sind. Dazu ist in der Regel hohe Kompetenz und Sachverstand, viel Geduld und oft auch viel Geld erforderlich. Weiterhin sind damit in der Regel harte und klare Entscheidungen verbunden, für die man den Mut haben und die Verantwortung übernehmen muss. Auch das ist in der Kirche nicht anders als in der Gesellschaft.
Schon mit dem der bescheidenen Titel der Veranstaltung „Ein Statusbericht“ zeigte Herr Dr. Preuß, dass es hier leider nicht um Erfolgsmeldungen gehen konnte, sondern nur um einen weiteren kleinen Schritt zu persönlicher Betroffenheit und Verantwortungsbewusstsein als Christ in dieser wichtigen Frage. Wie dies im Privatleben, in unserer Rolle als Kirchenmitglied und in unserer Rolle als Staatsbürger konkret umgesetzt werden kann, ist eine persönliche Herausforderung. Eine Alternative zur „Erhaltung der Schöpfung“ gibt es jedenfalls nicht – wenn man von dem absieht, was schon die Bibel als „Apokalypse“ drastisch beschreibt.
Der KKV bedankte sich bei Herrn Dr. Preuß für die klaren Worte und wünschte ihm weiter viel Elan und viel Erfolg für seine herausfordernde Aufgabe. Sicher werden wir auch im KKV auf diese Thematik zurückkommen.

Thomas Michalski
(Text und Fotos)