KKV-Aktuell, Ausgabe 9-2020


Foto: Thomas Michalski

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Das Titelbild zeigt uns in diesem Monat die Abendmahlsgruppe über dem Altar in St. Andreas. Die Rundplastik mit 12 lebensgroßen Figuren aus Bronze von 1965 stammt vom Bildhauer Ulrich Henn (1925-2014).
Die Plastik erinnert an das Geschehen beim letzten Abendmahl, das Jesu mit seinen Jüngern feierte. Es fällt auf, dass Jesus nur mit elf Aposteln das letzte Abendmahl vor seinem Tode feiert, der 12. Platz ist leer. Anhand des biblischen Textes wird dazu erläutert, Judas, der Verräter, hätte bereits seinen Platz verlassen. Der jetzt leere Stuhl würde den heutigen Gottesdienstbesucher dazu einladen, an den Tisch des Herrn heranzutreten und am Abendmahl teilzunehmen. Der Platz ist als leeres Rechteck im Vordergrund zu sehen.
Jeden Sonntag sind wir zum Tisch des Herrn geladen. Immer ist für uns ein Platz frei. Wissen wir die Einladung zu schätzen? Die Feier der Eucharistie war im Frühjahr einige Wochen lang nicht möglich. Der unfreiwillige Verzicht hat sie noch einmal wertvoller gemacht?
So mussten auch die diesjährigen Kommunionkinder auf ihre Feier im Mai verzichten. Viele dieser Erstkommunionfeiern werden im September nachgeholt – mit allen Besonderheiten, die diese Zeiten mit sich bringen.

Regina Michalski

„Sentire cum Ecclesia“ heute?

Liebe KKV er,- innen,

wie steht es um unser persönliches Denken und Fühlen mit und in der Kirche, um unser Sein mit der Kirche, angesichts ihrer heutigen Situation: Ihres massiven Verlustes an Relevanz und Glaubwürdigkeit, einer damit verbundenen Marginalisierung des Christentums und einer abnehmenden Zahl von Gläubigen, dem Reformstau, ihres Umganges mit Macht, ihres institutionellen Mangels in der Zusammenarbeit mit den Laien als Multiplikatoren der Evangelisierung, mit den Spannungen beim synodalen Prozess, ihres Versagens und ihrer Schuld beim Thema Missbrauch?
Kann man noch mit einer „sündigen“ Kirche fühlen, die auf jeden Fall den „Schein“ einer „heiligen“ Kirche wahren wollte unter grober Missachtung der Leiden der Opfer?
Die Kirchen leeren sich dramatisch, jüngere Generationen fallen praktisch aus
Ist Gott noch in unserer Mitte?
Diese Frage beschäftigte schon – nach der Zerstörung des Tempels und Jerusalems – das ins babylonische Exil verschleppte jüdische Establishment vor zweieinhalbtausend Jahren und sie stellt sich heute erneut.
Dem von Ignatius um 1535 verfassten Topos „sentire cum ecclesia“ lag zeitgebunden ein Kirchenbild zugrunde, das uns heute fremd erscheint, sich aber durch das II. Vatikanische Konzil tiefgreifend gewandelt hat, in dem Kirche grundlegend als „Sakrament“ des Heils (Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit s.LG1) verstanden wird.
Ignatius wollte eine positive Haltung zur Praxis des kirchlichen Lebens, der kirchlichen Lehre und zu den kirchlichen Vorgesetzten bewirken als Kriterium der Erkenntnis des Willens Gottes.
Es setzt das Vertrauen voraus, dass derselbe Geist in der Kirche und in den einzelnen wirkt; es äußert sich im Gehorsam ebenso wie in konstruktiver Kritik, in Dankbarkeit wie im Leiden in der Kirche an ihren Defiziten und insbesondere an ihrem Gespaltensein. (s. LThK, Bd. 9, 3. Aufl.
Das II. Vatikanum lenkt den Blick neu auf die dauernde Reformbedürftigkeit der Kirche, die als Communio, als Gemeinschaft des Volkes Gottes im Glauben, auch ihre sündigen Mitglieder umfasst, die das Erscheinungsbild von Kirche mitprägen.
„Während aber Christus heilig, schuldlos, unbefleckt war und die Sünde nicht kannte, sondern allein die Sünden des Volkes zu sühnen gekommen ist, umfasst die Kirche Sünder in ihrem eigenen Schoße
Sie ist zugleich heilig und stets der Reinigung bedürftig, sie geht immerfort den Weg der Buße und Erneuerung.“ (LG8)
Kirche und Glaube sind niemals perfekt, sondern immer nur vorläufig, ebenso das menschliche oder religiöse Leben
Eingedenk unserer eigenen menschlichen Schwachheit sollten wir uns bei aller berechtigten Kritik an der konkreten Kirche und am Verhalten mancher Amtsträger eines Generalverdachtes oder zynisch verletzender Aussagen enthalten. Die Kirche befindet sich in einer Krisensituation und sie weiß darum.

Unser Bischof beschreibt klar die Phänomene: Zitat:
„Vertrauensverlust, Legitimationsverlust, Wirklichkeitsferne, Missbrauchsskandal.
Europa verändert sich in Glaubensfragen so dramatisch, wie vielleicht seit 1000 Jahren nicht mehr. Wir müssen den Menschen erklären, warum es sich lohnt, sich noch mit der Bibel, mit Jesus zu beschäftigen. Was hilft uns heute das Jenseits? Wenn wir solche Fragen nicht zulassen, lohnt alle Reform nicht.
Die spirituelle Revolution, die wir brauchen, ist diese: Wir müssen zu Suchenden werden. Erst wenn wir uns eingestehen, wie radikal sich die Welt verändert hat, werden wir eine radikale Veränderung unserer Kirche wagen. Nach dem gnädigen Gott zu suchen ist unsere bleibende Aufgabe als Christen.“

Wünschen wir unserer Kirche, dass sie gerechten Frieden sucht, dass sie die Zeichen der Zeit erkennt, zu Änderungen bereit ist und sprachfähiger wird, besonders gegenüber der jungen Generation, im geduldigen Vertrauen darauf, dass Gott sich in Jesus der Welt und der Kirche nicht entzogen hat.

Herzlich, Ihr Heiner Flohr

Die Familie: Wichtiger Ort des Lernens – in beide Richtungen!

Die katholische Soziallehre nennt die Familie „die erste natürliche Gesellschaft und stellt sie ins Zentrum des sozialen Lebens“. Das Kompendium der katholischen Soziallehre formuliert: „In der Erziehung formt die Familie den Menschen und führt ihn in all seinen Dimensionen, einschließlich der sozialen, zur Fülle seiner Würde.“
Sicher eine richtige Aussage, aber nur ein Teil der Wahrheit! Kinder werden durch ihre familiäre Umgebung entscheidend geprägt und lernen ungeheuer viel: Vertrauen, Geborgenheit, erste Schritte und erste Worte, soziales Verhalten, sich streiten und sich vertragen, Selbstvertrauen, Werte und Grundlagen des Glaubens – und unendlich viele weitere Dinge. Ein besonderer Ort des Lernens ist die Familie aber auch in der anderen Richtung: Als Eltern oder als Großeltern lernen wir auch viel von den Kindern – manchmal werden wir sogar von unseren Kindern erzogen! Und das ist gut so!
Dass Kinder und Jugendliche oft viel virtuoser mit dem Handy umgehen, hat jeder schon erlebt. Aber das Lernen von den Kindern hat eine viel weitere Dimension: Schon bei einem Kleinkind können wir erleben, was elementare Lebensfreude ist – das haben wir als Erwachsene vielfach schon verlernt. Kinder eröffnen uns ganz neue Perspektiven: Manchmal im wörtlichen Sinne, wenn man gemeinsam mit einem Kleinen eine Ameise oder einen Käfer beobachtet, die man sonst übersehen hätte. Oder wenn man durch unermüdliches Warum-Fragen der Kinder plötzlich selbst ins Nachdenken kommt.
Insbesondere aber machen die Kinder die zeitlichen Perspektiven der gesellschaftlichen Entwicklungen deutlich. Jedes Kind ist so etwas wie ein neuer Anfang mit neuen Chancen und Herausforderungen des Lebens. Diese Erkenntnis ist vielleicht eines der größten Geschenke Gottes! Insbesondere wenn man erlebt und unterstützt, dass ein Kind sich entwickelt, lernt, heranwächst und die eigene Persönlichkeit entfaltet. Das gilt auch dann, wenn diese Entwicklung – üblicherweise – nicht immer geradlinig und konfliktfrei verläuft. Dann fängt das „Lernen von den Kindern“ erst richtig an! Die Kinder leben an anderen Orten, in anderer Umgebung, organisieren ihr Leben anders, lernen neue und andere Dinge, haben andere Berufe in anderen Unternehmensformen, reisen anders, kennen andere Menschen, usw.
Kurz gesagt: Über unsere Kinder haben wir Einblick in ganz andere Welten! Das ist immer wieder interessant – und spannend. Es funktioniert deshalb so gut, weil die Kommunikation durch das besondere Verhältnis der Kinder zu Eltern oder Großeltern geprägt ist, durch Wohlwollen, Interesse, Offenheit, Vertrauen.
Sic
her haben wir früher vieles richtig gemacht, aber unsere Kinder machen heute auch vieles richtig, obwohl (oder weil!) sie manches anders machen! Die spannendste und lehrreichste Diskussion geht um die Frage: Was bleibt an Prinzipien, Verhaltensweisen und Werten und wo sind Änderungen sinnvoll oder sogar notwendig – durch neue Bedingungen und um neue Möglichkeiten zu nutzen? Die Frage stellt sich für das persönliche Leben, für die berufliche Arbeit, für Gesellschaft und Politik und auch für die Kirche. Wie soll sich die Welt weiterentwickeln, wenn wir nicht offen sind für die jungen Menschen und deren Lebenswelt? Hohe Qualität dieser Gespräche entsteht, wenn es nicht ums Rechthaben, sondern um die gemeinsame „Wahrheitsfindung“ aus alten und neuen Erfahrungen geht. Der gesellschaftliche Wert der Familie für diesen unverzichtbaren generationenübergreifenden Dialog kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden! Freuen Sie sich also, wenn Sie von Kindern oder Enkeln lernen können – und nutzen sie jede Chance!
Ein Gedanke zum Schluss: Die Katholische Kirche hat größte Mühe, sich auf moderne gesellschaftliche Entwicklungen einzustellen oder auch nur eine Sprache zu finden, die heute noch verstanden wird. Liegt das vielleicht auch darin begründet, dass es den verantwortlichen kirchlichen Entscheidungsträgern in der Regel nicht möglich ist, von ihren Kindern und Enkeln zu lernen?

Thomas Michalski

Einladung zum Vortrag

am Montag 07.09.2020 um 19.30 Uhr im BGV am Domhof

Thema: Unsere Sorge für das gemeinsame Haus – die Kirche und der Umweltschutz. Ein Statusberich
Referent: Dr. Dr. Dirk Preuß, Umweltbeauftragter für das Bistum Hildesheim

Auf der Internetseite des Bistums stehen zum Thema Umweltschutz/Klimaschutz:
Umweltschutz
… weil die Liebe zu den Menschen und das gesellschaftliche Engagement untrennbar mit der Sorge für die Umwelt, mit der „Sorge für das gemeinsame Haus“ verbunden sind (vgl. Enzyklika Laudato siʾ).
Klimaschutzinitiative
Wie viel Energie verbrauchen die Kirchengemeinden und Einrichtungen? Welches Gebäude in meiner Gemeinde verbraucht die meiste Energie? Wir helfen Pfarreien, die Antworten zu finden.
Allianz für die Schöpfung
Unterwegs zu einem guten Leben für alle! Schöpfungsverantwortung in weltweiter Solidarität erfordert eine Änderung unseres Lebensstils und bedarf gesellschaftlich-politischen Engagements.
Umweltkarte
Mit diesem neuen Angebot wollen wir die verschiedenen Umwelt- und Klimaschutzaktivitäten in den Kirchengemeinden unseres Bistums anschaulich machen
Zu jedem genannten Thema kann auf der Seite www.bistum-hildesheim.de/kirche-gesellschaft/umweltschutz-klimaschutz weitergelesen werden.
Herr Dr. Preuß wird uns sicher interessante Aspekte zum Thema näherbringen.
Wir freuen uns auf einen interessanten Abend.
Alle KKVerinnen, KKVer und interessierte Gäste sind herzlich eingeladen.

Bitte melden Sie sich bei Vb Heinz Grande telefonisch oder bei Vb Thomas Adamski per E-Mail an. Corona macht es erforderlich.
Ansprechpartner: Vb Thomas Adamski

KKV-Aktuell, Ausgabe 7/8-2020


Foto: Thomas Michalski

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Maria Magdalena

Diese kleine Statue steht in einer Wandnische auf dem Parkplatz von Hl. Kreuz, wenn man den Parkplatz verlässt auf der rechten Seite.
Über Maria Magdalena oder Maria von Magdala wird im Neuen Testament berichtet. Die Evangelisten erwähnen sie als Begleiterin Jesu und Zeugin der Auferstehung. Ihr Beiname verweist auf den Ort Magdala am See Genezareth im Heiligen Land
Am 22. Juli feiern wir das Fest der heiligen Maria Magdalena. Apostelin der Apostel wird sie genannt, weil sie den auferstandenen Herrn als Erste erlebt hat und von ihm den Auftrag bekam, den Jüngern die Osterbotschaft zu bringen.

Bauernregeln für den Magdalenen-Tag:
– Regnet’s am St.-Magdalen-Tag, folgt gewiss mehr Regen nach
– An Magdalena regnet’s gern, weil sie weinte um den Herrn

In Hildesheim gibt es nach der Heiligen benannte Orte:
die Magdalenen Kirche als ehemalige Klosterkirche in der Mühlenstraß
der Magdalenenhof, ein ehemaliges altes Klostergebäude, (heute ein Caritas
Senioren- und Pflegeheim) ebenfalls Mühlenstraß
den Magdalenengarten am Magdalenenhof, ein barocker Garten, seit 2004 in
seiner jetzigen Gestalt,
und die Kapelle St. Maria Magdalena in Steuerwald.

Regina Michalski

Vorwort

Hier lebe ich, hier kauf ich ein …

Es ist sicher schon 30 Jahre, oder auch schon einige Jahre länger her, dass die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels (HDE), so hieß damals der Spitzenverband des Einzelhandels, unter diesem Slogan eine Aktion startete, um die Kunden auf den stationären Einzelhandel aufmerksam zu machen und sie dafür zu sensibilisieren, dass der innerstädtische Einzelhandel eine wichtige Funktion wahrnimmt, funktionierendes urbanes Leben zu ermöglichen. Große Plakate zierten die Schaufensterauslagen in den Geschäften in den Fußgängerzonen und auch in den Nebenzentren der Städte in den Geschäften für den täglichen Bedarf.
Der KKV hat diesen Slogan der Entwicklung in den letzten Jahren ein wenig angepasst, und fordert heutzutage die Bevölkerung auf „Kauf doch offline!“ oder „Mensch, kauf doch mal wieder nebenan!“
Die derzeitige Situation fordert geradezu ein Rückbesinnen auf diesen Slogan. Von allen Gruppierungen kommen Forderungen an den Staat um (finanzielle) Hilfe. Manche Gruppen betrifft es stärker als andere. Ein wichtiges Kriterium, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen ist offenbar, ob eine Gruppe, Branche oder Institution als systemrelevant einzustufen ist. So war es in der Bankenkrise, so ist es auch heute
Der Einzelhandel in der Stadt, sicher in der Mehrheit (noch) inhabergeführt, ist neben einigen Filialisten und Investorengruppen jedenfalls mehrheitlich mittelständisch geprägt. Hier kennt der Chef seine Mitarbeiter und seine Kunden. Er trägt das Risiko und nimmt die Verantwortung für seine Firma und seine Mitarbeiter*innen wahr. Zum Mix gehören aber auch einige größere Publikumsmagneten, die zur Erhöhung der Frequenz beitragen.
Noch Ende Januar prognostizierte der Handelsverband Deutschland (HDE) in einer Presseinfo immerhin für das laufende Jahr 2020 ein Umsatzplus von 2,5% und führte aus:
Die Umsätze im Einzelhandel in Deutschland werden 2020 das elfte Jahr in Folge wachsen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) prognostiziert im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 2,5 Prozent. Wachstumstreiber bleibt der Online-Handel. Mittelständische Innenstadthändler geraten zunehmend in Schieflage. 39.000 Handelsstandorte mussten bereits schließen.“

Und weiter heißt es in der Pressemitteilung:
Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Konsum sind weiterhin gut. Der Konsum bleibt der Treiber für die Gesamtwirtschaft“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die aktuelle HDE-Umfrage unter 500 Handelsunternehmen aller Größenklassen und Standorte zeigt, dass rund ein Drittel der Händler mit positiven Geschäftserwartungen in das Jahr geht. Mit einem schlechteren Verlauf als 2019 rechnen 30 Prozent. Besonders gut sind die Erwartungen bei den Unternehmen, die sowohl im stationären Handel als auch im Online-Bereich aktiv sind.

Insgesamt prognostiziert der HDE für 2020 ein Umsatzwachstum im
Einzelhandel von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf dann rund 557 Milliarden Euro. Dazu trägt der Online-Handel 63 Milliarden Euro bei und steigert seine Umsätze um rund neun Prozent. Daten aus dem HDE-Standort-Monitor 2020 zeigen, dass die Kunden seltener in den stationären Handel zum Einkaufen gehen und dafür mehr Geld im Internet ausgeben. In der Folge verlor der stationäre Einzelhandel seit 2010 39.000 Standorte. „Damit geraten ganze Innenstädte in Schieflage. Händler, Politik und Gesellschaft sind gefordert, die Innenstädte zu retten und müssen an einem Strang ziehen“, so Genth. Damit die Händler am Standort Innenstadt weiterhin erfolgreich bleiben können, sind passende Rahmenbedingungen gefordert. Dabei geht es nicht ohne eine gut ausgebaute Infrastruktur wie Straßen, Fahrradwege und öffentlichen Personennahverkehr, um die Erreichbarkeit der Stadtzentren sicherzustellen.

Diese Mitteilung aus dem Januar ist jetzt Ende Mai sicher so nicht mehr zu halten und muss dringend korrigiert werden. Wenn wir als Bevölkerung wollen, dass unsere Innenstädte weiterhin städtisches Leben prägen, haben wir es als Kunden in der Hand, dieser sich abzeichnenden Entwicklung entgegen zu wirken: „Hier lebe ich, hier kauf ich ein!“
Damit plädiere ich für bewusstes Einkaufen: Ich vermeide Rücksendungen und entlaste damit die Umwelt, ich stärke den Einzelhandel vor Ort und nicht einen großen anonymen Versandhändler. Ich gebe ja zu, es ist sehr bequem abends aus dem Wohnzimmer eine Bestellung aufzugeben, und wenige Tage später kommt die Lieferung per Paketboten ins Haus. Wenn der ausgesuchte Artikel nicht passt, dann schicke ich ihn einfach zurück. Wie wir wissen, wird er dann als Retoure einfach entsorgt, weil das ja billiger ist, als die Ware dann noch zeitaufwändig zu kontrollieren.
Der stationäre Handel bietet auch Aktionen, die preislich durchaus mithalten können! Ach, haben Sie eigentlich eine Lieblingsbuchhandlung, wo Sie der Buchhändler, die Buchhändlerin kennt? Der /die Sie berät? Wo Sie im großen Angebot aussuchen können? Wo Sie auch online bequem bestellen, und am nächsten Tag Ihr Wunschbuch abholen können? Das Preisbindungsgesetz garantiert übrigens, dass es keinen Cent mehr kostet als beim besagten Onlineversandhändler.
Wenn wir der jetzigen Situation etwas Gutes abgewinnen wollen, dann vielleicht dies: Gehen wir alles etwas bewusster und entschiedener an. Überlegen wir zuerst, welche Auswirkungen unser Handeln oder Nichthandeln hat. Wenn der Handel stirbt, sterben Stadtzentren und damit ein Stück Heimat und Kultur.
Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Sommer und bleiben Sie gesund!

Ihr
Heinz Bertram
Vorsitzender des KKV Diözesanverbandes Hildesheim e.V.