
Foto: Thomas Michalski
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Der Johannisfriedhof
Anfang des 19. Jahrhunderts ist es die erste Begräbnisstätte Hildesheims, die bewusst außerhalb der historischen Stadtmauern auf dem Gelände einer ehemaligen Bastion angelegt wurde. Der Friedhof wurde im Jahr 1812 eingeweiht, um die hygienischen Missstände der alten innerstädtischen Kirchhöfe zu beenden. Bereits 1884 wurde er für Neubelegungen geschlossen. Bis zum Jahr 1930 durften lediglich noch Beisetzungen in bereits bestehenden Familiengräbern stattfinden.
Im Zweiten Weltkrieg trafen drei Sprengbomben das Areal und zerstörten zahlreiche Grabanlagen. 1952 wurde die Anlage nach der Beseitigung der Kriegsschäden umfassend zu einem öffentlichen Park umgestaltet, wobei viele historische Gräber eingeebnet wurden.
Heute ist der Johannisfriedhof ein ruhiger Rückzugsort im Grünen direkt am Eselsgraben.
Obwohl der Park stark umgestaltet wurde, sind noch einige kulturhistorisch bedeutende Grabsteine Hildesheimer Persönlichkeiten erhalten geblieben, u. a. Franz Heinrich Hansen, Fabrikant: klassizistisches Grabmal, 1868 von Friedrich Küsthardt geschaffen.
Regina Michalski
Vorwort
Quo vadis Deutschland?
Nach verschiedenen Landtagswahlen mit großen Erfolgen für die linken und rechten Ränder und Kommunalwahlen in Niedersachsen, die landesweit ein eher diffuses Bild ergeben haben, bleibt es bei einer großen Unlust in der Bevölkerung, sich Reformen und Problemlösungen anzunehmen, zumindest wenn eigene Belange betroffen sind. Folgendes lässt sich aber allgemein festhalten: Die Institutionen in Deutschland funktionieren, auch wenn die innere Stimmung schlecht und angespannt ist. Woran liegt das?
Der klassische Aufstiegsmotor stottert. Nach zwei Jahren Stagnation und einer nur leichten Erholung 2025/26 ist die Wirtschaft nicht in einer tiefen Krise, aber sie wächst zu langsam, um Verteilungskonflikte zu übertünchen. Das spürt die Mitte.
Die Industrie – Automobil, Maschinenbau, Chemie – steht unter dreifachem Druck: Energiekosten, die im europäischen Vergleich hoch geblieben sind, Transformation zu E‑Mobilität und Klimaneutralität, und neue Konkurrenz aus China und den USA. In Wolfsburg, Salzgitter, Ludwigshafen ist das keine abstrakte Statistik, sondern die Frage, ob das Werk in zehn Jahren noch in dieser Form existiert.
Gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt gespalten. Es gibt fast Vollbeschäftigung für Hochqualifizierte, Pflegekräfte und Handwerker, und gleichzeitig eine verfestigte Gruppe von Langzeitarbeitslosen und eine wachsende Zahl von Menschen, die trotz Arbeit kaum Vermögen aufbauen können. Wohnen ist zum zentralen sozialen Marker geworden. In München, Hamburg, Köln oder auch in Göttingen kostet eine Neubauwohnung 18–22 Euro Kaltmiete – wer vor 2010 gekauft hat, hat gewonnen, wer heute einzieht, zahlt einen großen Teil seines Einkommens für den Wohnraum.
Das Ergebnis ist eine Art „Statuspanik“ der Mittelschicht. Nicht Abstieg um jeden Preis, aber die Angst, dass die eigenen Kinder es schwerer haben werden. Das erklärt einen großen Teil der politischen Gereiztheit.
Der zweite große Strang ist die Erfahrung mit dem Staat. Die Pandemie, die Energiekrise 2022/23 und die bürokratischen Hürden der letzten Jahre haben ein Muster hinterlassen: Viele Bürger erleben den Staat als gleichzeitig übergriffig und leistungsschwach.
Übergriffig in Regeln, Formularen, Dokumentationspflichten – vom Heizungsgesetz bis zur Lieferkettendokumentation für den Mittelständler. Leistungsschwach bei den Kernaufgaben: Brücken, die gesperrt werden, Züge, die nicht fahren, Behörden, bei denen man sechs Monate auf einen Termin wartet, Schulen, in denen Unterricht ausfällt, weil Lehrer fehlen.
Die Kommunalwahl in Niedersachsen am 14. und 27. September 2026 zeigt das in Zahlen: Hohe Wahlbeteiligung von über 60%, gleichzeitig massive Gewinne für AfD (von 4,6% auf 15,9% auf Kreisebene), Erfolge von lokalen Wählergemeinschaften und Einzelbewerbern. Die Menschen gehen wählen, aber sie wählen oft gegen die etablierten Parteien.
Hinzu tritt, dass Deutschland de facto ein Einwanderungsland geworden ist – ohne sich je darauf geeinigt zu haben, was das bedeutet. Rund 28% der Bevölkerung haben inzwischen einen Migrationshintergrund. In Großstädten wie Salzgitter, Offenbach oder Teilen des Ruhrgebiets liegt der Anteil bei Kindern über 50%.
Auch wenn die Integration zumindest bei entsprechender Bereitschaft häufig gelingt, führt das immer noch eher ungesteuerte Migrationsgeschehen auch zu einer starken Konzentration von sozialen Problemen: Sprachdefizite in Grundschulen, Überlastung von Sozialämtern, Konflikte in Unterkünften und eine Kriminalitätsdebatte.
Die Themen Klima, Identität und Migration häufig nicht mehr als Sachfragen, sondern als Zugehörigkeitsfragen diskutiert. Das macht Kompromisse schwer.
Trotz all dieser Spannungen ist die Lage aber nicht so zerfallen, wie sie in der Presse oder den sozialen Medien wirkt.
Drei Ressourcen sind noch stark: Erstens das Ehrenamt. 16 Millionen Menschen engagieren sich in Feuerwehren, Sportvereinen oder dem KKV. Zweitens der lokale Zusammenhalt – die Kommunalwahlen in Niedersachsen zeigen übrigens, dass Personen oft wichtiger sind als Parteien. Drittens ein breiter Grundkonsens für die soziale Marktwirtschaft. Selbst AfD-Wähler wollen in Umfragen keinen amerikanischen Minimalstaat, sondern einen funktionierenden deutschen Sozialstaat – nur für “die Richtigen”.
Die eigentliche Frage für die nächsten Jahre ist also nicht, ob Deutschland auseinanderbricht. Die Frage ist, ob es sich aus der Gleichzeitigkeit von hohem Anspruch und mittelmäßiger Umsetzung befreien kann. An dieser Stelle muss natürlich eine bessere Verwaltung mit schnelleren Genehmigungen, digitalen Ämtern, Schulen, die Unterricht garantieren, und eine Industriepolitik, die nicht nur Ziele für 2045 formuliert, gefordert werden.
Entscheidend ist aber, dass die finanzielle Basis unserer Systeme nachhaltig gesichert wird und wir festlegen, was der Staat sich mit welcher Priorität leisten kann und will und natürlich auch, was der Bürger tatsächlich selbst bewältigen muss. Die viel gescholtenen Reformen der Bundesregierung sind ein richtiger Weg, hoffentlich werden sie nicht wieder durch die vielen Partikularinteressen zur Unkenntlichkeit verzerrt. Auch wenn Friedrich Merz deshalb sehr unbeliebt ist, jeder andere Kanzler hätte dieselben Probleme und Entscheidungen vor sich.
Deutschland ist nicht polarisiert wie die USA, nicht blockiert wie Frankreich. Die Reformmüdigkeit ist heilbar – aber nur mit sichtbaren Erfolgen im Alltag.
Christian Berndt

