KKV-Aktuell, Ausgabe 12-2022


Foto: Thomas Michalski

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Das Titelbild zeigt einen Ausschnitt aus dem rechten Seitenflügel der Bernwardtür: die drei Weisen (oder Könige, Sterndeuter oder Magier) aus dem Morgenland. Hier sehen Sie die Einordnung in die Ikonographie der Bernwardtür:

In der Bibel (EÜ) steht dazu:
Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. […]  Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. […] Mt 2.1-2.12

Frohe Weihnachten wünscht Ihnen
Regina Michalski

Ochs und Esel

An der Weihnachtskrippe haben Ochs und Esel einen festen Platz – jedenfalls, wenn wir uns Darstellungen oder Bilder ansehen. Im Lukas-Evangelium (und im Neuen Testament) kommen sie nicht vor. Aber das Pseudo-Matthäus-Evangelium weiß: Am dritten Tag legte Maria ihren Knaben in eine Krippe, und Ochs und Esel beteten ihn an. Da erfüllte sich, was durch den Propheten Jesaja (Jes 1,3) verkündet ist: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn“.
Die Geschöpfe erkennen ihren Herrn – im Gegensatz zum Menschen. Denn dem Mensch gewordenen Wort Gottes, Jesus, wies „der Mensch“ die Tür. So schreibt der Evangelist Johannes: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Er fährt fort: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben … und aus Gott geboren sind.“ (vgl. Joh 1, 11-13)
In einem Krippenspiel darf die Herbergssuche nicht fehlen: Gott sucht Wohnung. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Er sucht den Platz im Leben jedes Menschen. Zum anderen kommt er in der Gestalt der Menschen zu uns. Sie brauchen Hilfe oder suchen ein Zuhause. Die Katastrophen und Kriege unserer Tage drängen Menschen auf den Weg. Sie suchen einen Platz zum Leben. Das ist an Weihnachten kein Neben-Thema für den, der an Christus glaubt.
Das Kind in der Krippe zeigt uns, was wir im Glaubensbekenntnis beten: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen … und ist Mensch geworden.“ Ich kann nur staunen darüber, was Gott bewegt und was er tut. Damit trete ich heraus aus der Enge meines Alltags, aus dem Trott, aus dem Gewohnten. Ich kann mich diesem Geschehen nicht entziehen. Würde ich mich verweigern, würde es mich doch nicht loslassen.
Es drängt mich zu antworten. Ein Ochse kennt seinen Besitzer, ein Esel weiß, wo seine Krippe steht. Vielleicht ist es auch für Menschen gar nicht so schwer, seinen Herrn zu kennen und mit ihm zu leben.
Weihnachten ist für jeden von uns eine Chance, IHN nicht vor der Tür unseres Lebens stehen zu lassen. Im letzten Buch der Bibel lese ich: Ich stehe an der Tür und klopfe an.  Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir.“ (Off 3,20)
Ich wünsche Ihnen zu Weihnachten Begegnung mit IHM.

Prälat Heinrich Günther

KKV-Aktuell, Ausgabe 11-2022


Foto: Thomas Michalski

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Warum haben wir für November den Hl. Godehard als Titelbild ausgesucht?
In diesem Monat ist das halbe Godehardjahr des Bistums um.
Auf dem Domhof bzw. im Dom findet man den Hl. Godehard dreimal:
Das Relief des Titelbilds ist recht unscheinbar am Haus Domhof 16 angebracht. Es wurde einfach vor die Hauswand gehängt.
Die zweite Darstellung befindet sich im Dom:  auf Wunsch des Bischofs wurde am südlichen Vierungspfeiler des Doms eine Godehard-Ikone aufgehängt. Sie ist aus dem Kapitelsaal von St. Godehard ausgeliehen und soll während des Godehardjahrs im Dom verbleiben.

Und die dritte Skulptur findet man am Godehard-Schrein in der Krypta des Doms.

Schauen Sie nach!

Regina Michalski
Fotos: Thomas Michalski

Vorwort

Fürbitte halten

Liebe Verbandsschwestern und Verbandsbrüder!

Gerade noch rechtzeitig, denkt sich Stefan, als er verschwitzt die Tür zur Kirche öffnet. Beim Hineingehen hört er schon den Gesang der Mönche zur Vesper. Irgendwie zufrieden und auch staunend setzt er sich in eine der hinteren Bänke, stellt seine Fahrradtasche neben sich und sofort fällt die ganze Anspannung von ihm ab. Genau an diesem Ort wollte er heute ankommen, in der Klosterkirche der Mönche auf dem Berg. Erst lauscht er dem Gesang der Mönche, ihren Lesungen und Gebeten. Dann steht er auf und macht sich leise auf den Weg in die kleine Seitenkapelle. Sie ist das eigentliche Ziel seiner Fahrradtour, denn dort erwartet ihn das große Buch, aufgeschlagen auf dem Ständer. Bevor er den Stift in die Hand nimmt, überlegt er noch eine Weile. Dann gibt er sich einen Ruck. Es wird ein langer Text, in den viel Herzblut fließt. Stefan unterschreibt am Ende mit seinem Namen und malt ein schattiertes Herz darunter. Danach geht er zum Kerzenständer und zündet eine kleine Kerze an, nicht nur eine, sondern gleich mehrere, sicher ist sicher. Als er die Kirchentür wieder hinter sich schließt, geht gerade die Sonne unter. Sichtlich entspannt und gut gelaunt tritt er mit seinem Fahrrad die Heimfahrt an. Vielleicht passiert jetzt bald das Wunder, denkt er sich, und der liebe Gott schickt endlich die Frau fürs Leben vorbei.
(gefunden auf katholisch.de – leicht gekürzt).

In vielen Kirchen, Krankenhauskapellen oder Autobahnkirchen gibt es diese Bücher für persönliche Anliegen, Fürbitten und Nöte. Selbst online kann man seine Fürbitten niederlegen und Kerzen anzünden (z.B. auch bei der Celle St. Benedikt in Hannover: https://cella-sankt-benedikt.de/kerze-entzunden). Der wohl berühmteste Ort ist die Klagemauer in Jerusalem, wo Bitten und Sorgen auf kleinen Zetteln in Mauerritzen gesteckt werden.

Und es gibt diese Orte aus gutem Grund: liest man einmal in den Fürbitt-Büchern, erfährt man von den unterschiedlichsten Sorgen und Ängsten, die Menschen vor Gott tragen. In diese Bücher zu schreiben ist mehr, als nur einen Wunsch beim Auspusten einer Geburtstagskerze oder beim Anblick einer Sternschnuppe zu äußern. Wenn man selbst nicht mehr weiterweiß, sind die Gebetsnischen in den Kirchen oder die Anliegenbücher im Internet dafür genau der richtige Ort. Hier kann man sich nicht nur seinen Ärger, seine Angst oder seine Bitte von der Seele schreiben – das allein tut ja schon gut. Aber da ist mehr: hinter jedem Buch in den Kirchen und Kapellen oder digitalem Angebot steht ein Gebetskreis, eine Ordensschwester oder ein Pater, die die Anliegen, die hinterlassen werden, ernst nehmen und im Gebet vor Gott tragen. Sie halten für mich und meine Sorgen Fürbitte. Vielleicht mutet es dem einen oder anderen etwas altmodisch an. Ich habe es immer als sehr heilsam erfahren, wenn ich eine Kerze angezündet habe. Sollten Sie einmal Sorgen haben, probieren Sie es doch auch einmal aus. Vielleicht spüren auch Sie hinterher eine gewisse Leichtigkeit, wie Stefan aus der Geschichte am Anfang.

Barbara Kreutzer