KKV-Aktuell, Ausgabe 7/8-2020


Foto: Thomas Michalski

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Maria Magdalena

Diese kleine Statue steht in einer Wandnische auf dem Parkplatz von Hl. Kreuz, wenn man den Parkplatz verlässt auf der rechten Seite.
Über Maria Magdalena oder Maria von Magdala wird im Neuen Testament berichtet. Die Evangelisten erwähnen sie als Begleiterin Jesu und Zeugin der Auferstehung. Ihr Beiname verweist auf den Ort Magdala am See Genezareth im Heiligen Land
Am 22. Juli feiern wir das Fest der heiligen Maria Magdalena. Apostelin der Apostel wird sie genannt, weil sie den auferstandenen Herrn als Erste erlebt hat und von ihm den Auftrag bekam, den Jüngern die Osterbotschaft zu bringen.

Bauernregeln für den Magdalenen-Tag:
– Regnet’s am St.-Magdalen-Tag, folgt gewiss mehr Regen nach
– An Magdalena regnet’s gern, weil sie weinte um den Herrn

In Hildesheim gibt es nach der Heiligen benannte Orte:
die Magdalenen Kirche als ehemalige Klosterkirche in der Mühlenstraß
der Magdalenenhof, ein ehemaliges altes Klostergebäude, (heute ein Caritas
Senioren- und Pflegeheim) ebenfalls Mühlenstraß
den Magdalenengarten am Magdalenenhof, ein barocker Garten, seit 2004 in
seiner jetzigen Gestalt,
und die Kapelle St. Maria Magdalena in Steuerwald.

Regina Michalski

Vorwort

Hier lebe ich, hier kauf ich ein …

Es ist sicher schon 30 Jahre, oder auch schon einige Jahre länger her, dass die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels (HDE), so hieß damals der Spitzenverband des Einzelhandels, unter diesem Slogan eine Aktion startete, um die Kunden auf den stationären Einzelhandel aufmerksam zu machen und sie dafür zu sensibilisieren, dass der innerstädtische Einzelhandel eine wichtige Funktion wahrnimmt, funktionierendes urbanes Leben zu ermöglichen. Große Plakate zierten die Schaufensterauslagen in den Geschäften in den Fußgängerzonen und auch in den Nebenzentren der Städte in den Geschäften für den täglichen Bedarf.
Der KKV hat diesen Slogan der Entwicklung in den letzten Jahren ein wenig angepasst, und fordert heutzutage die Bevölkerung auf „Kauf doch offline!“ oder „Mensch, kauf doch mal wieder nebenan!“
Die derzeitige Situation fordert geradezu ein Rückbesinnen auf diesen Slogan. Von allen Gruppierungen kommen Forderungen an den Staat um (finanzielle) Hilfe. Manche Gruppen betrifft es stärker als andere. Ein wichtiges Kriterium, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen ist offenbar, ob eine Gruppe, Branche oder Institution als systemrelevant einzustufen ist. So war es in der Bankenkrise, so ist es auch heute
Der Einzelhandel in der Stadt, sicher in der Mehrheit (noch) inhabergeführt, ist neben einigen Filialisten und Investorengruppen jedenfalls mehrheitlich mittelständisch geprägt. Hier kennt der Chef seine Mitarbeiter und seine Kunden. Er trägt das Risiko und nimmt die Verantwortung für seine Firma und seine Mitarbeiter*innen wahr. Zum Mix gehören aber auch einige größere Publikumsmagneten, die zur Erhöhung der Frequenz beitragen.
Noch Ende Januar prognostizierte der Handelsverband Deutschland (HDE) in einer Presseinfo immerhin für das laufende Jahr 2020 ein Umsatzplus von 2,5% und führte aus:
Die Umsätze im Einzelhandel in Deutschland werden 2020 das elfte Jahr in Folge wachsen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) prognostiziert im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 2,5 Prozent. Wachstumstreiber bleibt der Online-Handel. Mittelständische Innenstadthändler geraten zunehmend in Schieflage. 39.000 Handelsstandorte mussten bereits schließen.“

Und weiter heißt es in der Pressemitteilung:
Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Konsum sind weiterhin gut. Der Konsum bleibt der Treiber für die Gesamtwirtschaft“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die aktuelle HDE-Umfrage unter 500 Handelsunternehmen aller Größenklassen und Standorte zeigt, dass rund ein Drittel der Händler mit positiven Geschäftserwartungen in das Jahr geht. Mit einem schlechteren Verlauf als 2019 rechnen 30 Prozent. Besonders gut sind die Erwartungen bei den Unternehmen, die sowohl im stationären Handel als auch im Online-Bereich aktiv sind.

Insgesamt prognostiziert der HDE für 2020 ein Umsatzwachstum im
Einzelhandel von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf dann rund 557 Milliarden Euro. Dazu trägt der Online-Handel 63 Milliarden Euro bei und steigert seine Umsätze um rund neun Prozent. Daten aus dem HDE-Standort-Monitor 2020 zeigen, dass die Kunden seltener in den stationären Handel zum Einkaufen gehen und dafür mehr Geld im Internet ausgeben. In der Folge verlor der stationäre Einzelhandel seit 2010 39.000 Standorte. „Damit geraten ganze Innenstädte in Schieflage. Händler, Politik und Gesellschaft sind gefordert, die Innenstädte zu retten und müssen an einem Strang ziehen“, so Genth. Damit die Händler am Standort Innenstadt weiterhin erfolgreich bleiben können, sind passende Rahmenbedingungen gefordert. Dabei geht es nicht ohne eine gut ausgebaute Infrastruktur wie Straßen, Fahrradwege und öffentlichen Personennahverkehr, um die Erreichbarkeit der Stadtzentren sicherzustellen.

Diese Mitteilung aus dem Januar ist jetzt Ende Mai sicher so nicht mehr zu halten und muss dringend korrigiert werden. Wenn wir als Bevölkerung wollen, dass unsere Innenstädte weiterhin städtisches Leben prägen, haben wir es als Kunden in der Hand, dieser sich abzeichnenden Entwicklung entgegen zu wirken: „Hier lebe ich, hier kauf ich ein!“
Damit plädiere ich für bewusstes Einkaufen: Ich vermeide Rücksendungen und entlaste damit die Umwelt, ich stärke den Einzelhandel vor Ort und nicht einen großen anonymen Versandhändler. Ich gebe ja zu, es ist sehr bequem abends aus dem Wohnzimmer eine Bestellung aufzugeben, und wenige Tage später kommt die Lieferung per Paketboten ins Haus. Wenn der ausgesuchte Artikel nicht passt, dann schicke ich ihn einfach zurück. Wie wir wissen, wird er dann als Retoure einfach entsorgt, weil das ja billiger ist, als die Ware dann noch zeitaufwändig zu kontrollieren.
Der stationäre Handel bietet auch Aktionen, die preislich durchaus mithalten können! Ach, haben Sie eigentlich eine Lieblingsbuchhandlung, wo Sie der Buchhändler, die Buchhändlerin kennt? Der /die Sie berät? Wo Sie im großen Angebot aussuchen können? Wo Sie auch online bequem bestellen, und am nächsten Tag Ihr Wunschbuch abholen können? Das Preisbindungsgesetz garantiert übrigens, dass es keinen Cent mehr kostet als beim besagten Onlineversandhändler.
Wenn wir der jetzigen Situation etwas Gutes abgewinnen wollen, dann vielleicht dies: Gehen wir alles etwas bewusster und entschiedener an. Überlegen wir zuerst, welche Auswirkungen unser Handeln oder Nichthandeln hat. Wenn der Handel stirbt, sterben Stadtzentren und damit ein Stück Heimat und Kultur.
Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Sommer und bleiben Sie gesund!

Ihr
Heinz Bertram
Vorsitzender des KKV Diözesanverbandes Hildesheim e.V.

KKV-Aktuell, Ausgabe 6-2020


Foto: Thomas Michalski

Rosen

Haben Sie das Titelbild sofort erkannt?

Der Blick geht über die Rosen im Magdalenengarten zu den Türmen der Michaeliskirche.
Wir haben dieses Titelbild ausgesucht, weil im Juni die Rosen am schönsten Blühen. Der Juni ist der Rosenmonat (nicht der Rosenmontag wie man bei Google korrigiert wird, wenn man Rosenmonat eingibt)! Die Rose gilt als Königin der Blumen. Seit den Anfängen der Rosenzüchtung im 18. Jahrhundert bis heute sind weltweit über 30.000 Rosensorten entstanden.
Besonders rote Rosen faszinieren die Menschen seit jeher und sind mit ihrem eleganten Charme beliebt. Rote Rosen stehen für die Liebe. Und im Fernsehen gibt es eine Serie der ARD, die Rote Rosen heißt und in Lüneburg spielt.
Bis vor einigen Jahren gab es auf dem Gelände des Magdalenenhofs ein Rosenmuseum, dort hat unsere Ortsgemeinschaft einige Jahre ihr Fastenessen veranstaltet. Heute befindet sich an der Stelle eine Kita.
Vielleicht gehen Sie einmal im Juni durch den Magdalenengarten, es lohnt sich die wunderschönen, nicht nur roten Rosen anzuschauen. Bei schönem Wetter ist der Sommer da und man kann die Seele baumeln lassen, den Duft genießen und sich freuen.

Und dann kann uns noch ein kurzer Text von Abraham Lincoln zu denken geben:
Die Menschen murren,
weil keine Rose ohne Dornen wächst
Warum danken sie eigentlich nicht dafür,
dass Gott auf dornigen Stängeln
so schöne Rosen wachsen lässt?

Regina Michalski

Vorwort

„Alle neuen Ideen durchlaufen drei Stadien: Zuerst werden sie abgetan als Unsinn, dann zurückgewiesen als gegen die Religion gerichtet und zum Schluss werden sie erkannt als die Wahrheit, mit der Klausel von den anfänglichen Gegnern, dass sie das schon immer gewusst haben.“

Karl Ernst von Baer, 1792-1876, estnischer Naturforscher, »Humboldt des Nordens«

Priesterweihe auch für Frauen?

Auf dem Synodalen Weg wollen unsere Bischöfe mit den Vertreterinnen und Vertretern der Laien auch sprechen über die Forderung von „Maria 2.0“, auch Frauen zu ordinieren – wie in anderen christlichen Kirchen. Die einen sehen darin den Bestand der Kirche in Gefahr, die anderen bangen um ihre Zukunftsfähigkeit.
Die Weihe von Frauen wurde in der Kirchengeschichte nie hinterfragt.
Als aber die Anglikanische Kirche die Frauenordination beschloss, erklärte Papst Paul VI. 1975: „Christus hat keine Frau unter die Zahl der Zwölf berufen.“ Johannes Paul II. bestärkte diese Lehre: Die Kirche kann das nicht ändern. Kardinal Josef Ratzinger nannte sie 1995 sogar „unfehlbar“, weil sie auf dem Wort Gottes und der konstanten Praxis der Kirche gründe. Theologen bestreiten aber die Unfehlbarkeit, weil sie nirgends sonst als solche benannt wurde.
Ich frage: Dürfte die Kirche überhaupt eine Änderung beschließen? Auf welcher Grundlage? Reicht es aus, dass Frauen heutzutage den Männern gleichgestellt sind? Gibt Gott uns Hinweise?
Die Offenbarung ist abgeschlossen mit der Feststellung, welche Schriften zur Bibel gehören (Kanon). Ich denke, Gott hört aber nicht auf, sich uns Menschen mitzuteilen. Ich meine nicht Privatoffenbarungen, wohl aber, dass er uns neue Erkenntnisse über seine Schöpfung finden lässt. Die Wissenschaften geben uns Einsichten in Zusammenhänge, die man früher nicht kannte und auch nicht hinterfragte.
Die Weitergabe menschlichen Lebens galt lange als ein besonderer Schöpfungsakt Gottes. Damit gab man sich zufrieden. In der Neuzeit begann man naturwissenschaftlich zu forschen. Viele überzeugte die Theorie, dass jeder Organismus vorgeformt (praeformiert) sei und sich (nur noch) entwickle. So würde der Same des Mannes bereits den neuen Menschen enthalten und müsse nur noch von der Frau ausgetragen werden.
1802 wurde im estnischen Dorpat (heute Tartu) die einzige deutschsprachige Universität Russlands gegründet. Dort wies Professor Karl Ernst von Baer 1828 nach, dass Eizelle und Spermium sich vereinen und so neues menschliches Leben entsteht. Diese wissenschaftliche Entdeckung wurde bald Allgemeinwissen. Heute wissen wir um DNA, Gene und Chromosomen …
Ich meine, dass seither „die Frau“ in einem anderen Licht gesehen wird. Die Gesellschaft hat ihr Zugang zu allen Lebensbereichen geöffnet: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport … Frauen stehen heute in vielen Ländern gleichberechtigt neben Männern. Tabuzonen empfinden sie als ungerechte und unerträgliche Zurücksetzung.
Das gilt auch in der Kirche. Vor sechzig Jahren gab es im Altarraum weder Frauen noch Mädchen. Seit dem II. Vatikanischen Konzil haben sie längst viele Aufgaben übernommen, nicht nur in der Liturgie, auch als Seelsorgerinnen, Theologie-Professorinnen, Gemeindeleiterinnen …
Das war früher kaum vorstellbar.
Auch beim Synodalen Weg weiß man, dass über die Weihe von Frauen nicht in Deutschland entschieden werden kann. Man blickt zu Papst Franziskus nach Rom. Wie jeder Papst hat er vor allem die Einheit und den Zusammenhalt der Kirche zu wahren. Er kann die Frauen-Ordination nicht einfach so entscheiden; er darf das Anliegen aber auch nicht einfach ignorieren. Die durchaus sehr verschiedene Lage der Kirche weltweit macht die Sache nicht einfacher.
Darum ist es wichtig, aufeinander zu hören und miteinander zu sprechen. Einsichten und Argumente müssen ausgetauscht werden, ohne der/dem anderen gleich die Rechtgläubigkeit oder die Liebe zur Kirche abzusprechen. Eine Entscheidung setzt wohl einen breiten Konsens voraus. Wie gut, dass uns Jesus den Beistand des Heiligen Geistes versprochen hat. Wir brauchen ihn. Lernen wir, ihn zu bitten und auf ihn zu hören:
Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe! Sende aus deinen Geist und du wirst das Gesicht der Erde erneuern! Warten wir auf ein neues Pfingsten!

Ihr Heinrich Günther, Geistlicher Beirat